Sr. Petra Auzinger gehört dem Orden der Kreuzschwestern an. Sie wirkt als Seelsorgerin am Klinikum Wels-Grieskirchen.
„Das brauche ich doch noch nicht!“ Diesen Satz hört Ulrike Schwertner häufig, wenn sie mit jüngeren Pensionist:innen über Prävention spricht, also über Maßnahmen, die manche Beschwerden des Alterns verzögern oder verhindern können. Viele Menschen verbinden Vorsorge bereits mit Krankheit oder Pflegebedürftigkeit. Aber wer gut alt werden möchte, beginnt nicht erst mit 80 Jahren mit Prävention. „Die Angst vor Demenz ist groß“, sagt die Fachreferentin des Senior:innen-Bildungsangebotes „Mitten im Leben“ im Katholischen Bildungswerk Kärnten aus Erfahrung. Gleichzeitig erlebt sie, wie Menschen überrascht feststellen, dass sie selbst Einfluss auf ihre Zukunft haben.
Fast die Hälfte des Demenzrisikos ist auf Faktoren zurückzuführen, die der Mensch beeinflussen kann, schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Sitz in Genf in ihren neuen Empfehlungen. Sie empfiehlt zuallererst Bewegung, sowohl zur Vorbeugung als auch für Menschen, die bereits beeinträchtigt sind. Auch geistige Aktivität spielt eine wichtige Rolle, wie zum Beispiel gezieltes Gehirntraining. In den WHO-Richtlinien 2026 werden erstmals ausdrücklich soziale Aktivitäten neben anderen empfohlen. 2019 erkannte die WHO noch keinen wissenschaftlichen Nachweis an, dass soziale Aktivitäten das Demenzrisiko senken.
„Ich vergleiche das Gehirn gerne mit einer Knetmasse“, erklärt der Neurobiologe Marcus Täuber. Durch Training und Veränderungen des Lebensstils könne sich das Gehirn auch im Alter anpassen und neue Verbindungen bilden. Täuber betreibt das „Institut für mentale Erfolgsstrategien“ und ist Referent bei der Trainer:innen-Ausbildung der katholischen Bildungswerke in Kärnten und Oberösterreich. Die Botschaft ist ermutigend: Älterwerden bedeutet nicht automatisch, dass die Möglichkeiten deutlich abnehmen. Vieles lässt sich beeinflussen – und manches kann neu entdeckt werden. „Gerade darin liegt vielleicht die wichtigste Botschaft der Prävention. Sie ist keine Vorbereitung auf Krankheit und kein Training für schlechte Zeiten. Sie ist eine Investition in Lebensqualität, Selbstständigkeit und Teilhabe“, meint die Soziologin Barbara Aigner-Reitbauer. Sie ist Leiterin von „SelbA – Selbständig & Aktiv“, so heißt das Bildungsangebot in Oberösterreich.
Dahinter steht auch ein Menschenbild, das gut zum christlichen Verständnis von Würde passt: Der Wert eines Menschen hängt nicht von Alter, Leistungsfähigkeit oder einer Diagnose ab. „Wir sollten endlich wieder den Menschen im alten Menschen sehen und nicht nur die Diagnose“, sagt die Validationsexpertin Hildegard Nachum, die sich in ihren Büchern und Vorträgen dem Umgang mit demenzkranken Menschen widmet. Vielleicht beginnt gutes Älterwerden genau dort: nicht bei der Angst vor dem, was verloren gehen könnte, sondern bei der Frage, was weiterhin möglich ist. Damit das Alter nicht nur viele Tage hat – sondern möglichst viele gute Tage.
„Gute Tage“
LIMA, SelbA, Mitten im Leben, alt jung sein, Selbstbestimmt aktiv sein im Alter ... Mit diesen Programmen begleiten die katholischen Bildungswerke das Älterwerden.Österreichweit gehören diese Angebote in Zukunft zur Dachmarke „GUTE TAGE“ und stehen allen offen, die ihre Zukunft nicht einfach dem Schicksal überlassen wollen – wie Christa Kummer und Günther Lainer.
www.gute-tage.at

Sr. Petra Auzinger gehört dem Orden der Kreuzschwestern an. Sie wirkt als Seelsorgerin am Klinikum Wels-Grieskirchen.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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