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Was glauben Sie eigentlich?

Warum hat die Ehe so einen schlechten Ruf?

GLAUBENS_GUT

Die Institution Ehe ist in eine Krise geraten. Rückläufige Zahlen von Eheschließungen, wachsende Scheidungsraten, die zivilrechtliche Möglichkeit von gleichgeschlechtlichen Ehen und eingetragenen Partnerschaften werden als Infragestellung der „klassischen Ehe“ angesehen, für die die Kirche einsteht.

Ausgabe: 46/2025
11.11.2025
Pater Martin M. Lintner
Pater Martin M. Lintner

Wir erleben eine zunehmende Akzeptanz von alternativen Lebensformen, zu denen auch Polyamorie und „Freundschaft plus“ gehören. Polyamorie meint, dass jemand offen mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig führt. „Freundschaft plus“ ist eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die miteinander sexuell intim werden, die für eine Partnerschaft typische emotionale Bindung aneinander aber ausschließen.

 

Patriarchales Konstrukt?


Neben der Pluralisierung von Lebensformen gibt es aber auch die radikale theoretische Kritik an der Ehe. Die Ehe sei ein patriarchales Konstrukt, sie unterdrücke Frauen, mache sie finanziell abhängig und verfestige traditionelle Geschlechterrollen. Diese Kritik wird spätestens seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in abgewandelter Form wieder und wieder vorgebracht. Aus historischer und soziologischer Perspektive ist es zutreffend, dass sich die Ehe im patriarchalen Kontext entwickelt hat. Die gesetzlichen Regelungen wie auch die ideellen Vorstellungen von Ehe haben sich mittlerweile aber grundsätzlich verändert, sodass ich diese These für falsch halte.

 

Keine Konkurrenz


Eine eheliche Partnerschaft kann trotz asymmetrischer Machtkonstellationen, die in jede Beziehung eingeschrieben sind, erfahrbar machen, wie erfüllend eine Beziehung sein kann, die auf gegenseitige Hingabe aus Liebe gründet. Hier werden Machtkonstellationen aufgebrochen und nicht verfestigt. Gewiss, eine Eheschließung ist dafür weder Garantie, noch hat die Ehe darauf einen Exklusivanspruch. Ich glaube, wir sollten den Spagat wagen, die Ehe wertschätzend hochzuhalten, ohne andere Beziehungs- und Partnerschaftsformen von vorneherein abzulehnen. Vielmehr sollten wir der Sehnsucht nach Liebe und Nähe trauen und Menschen in ihrer Liebes- und Beziehungsfähigkeit unterstützen.

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Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.

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