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Erstehen, Auferstehen, Aufstehen - Serie Von Jesus leben lernen Teil 1/4

GLAUBENS_GUT

Das Osterfest ist unbegreiflich. Unfassbar schön, ein Wunder: Auferstehung, Auferstehung von den Toten! Der Sieg des Lebens über den Tod.

Ausgabe: 15/2026
07.04.2026
- Clemens Sedmak
Hügelige Landschafft bei Sonnenaufgang.
Hügelige Landschafft bei Sonnenaufgang.
© Artrachen/Adobe Stock

Wir haben an meiner Universität, der University of Notre Dame in den USA, am 24. Februar eine Gebetsfeier abgehalten – auf den Tag genau vier Jahre nach der brutalen Invasion der Ukraine durch russische Truppen. Erzbischof Borys Gudziak, das Oberhaupt der ukrainisch-katholischen Gemeinde in den Vereinigten Staaten, hat gepredigt. Er hat von den Grausamkeiten gesprochen, der Zerstörung, dem unfassbaren Leiden – und dann den Satz gesagt: Wir wissen, wie die Geschichte endet. 


Die Geschichte, unsere Geschichte, die Geschichte des Lebens endet nicht mit dem Karfreitag, sondern mit dem Ostersonntag. Nicht mit Tod, sondern mit Auferstehung. Das ist kein billiger Trost, sondern die Grundlage allen Hoffens, auch des Hoffens wider alle Hoffnung. 

 

Auf Jesus schauen


Das Osterfest ist ein Wunder. Wir sollten uns diesen Sinn für das Wunderbare, Erstaunliche nicht nehmen lassen. Immer wieder neu erschüttert werden. Das unbegreifliche Wunder, das alles übersteigt, kann mit einem schlichten Akt verglichen werden: dem Aufstehen. Die Auferstehung aus dem Grab ist verwandt mit dem Aufstehen am Morgen. Wir wollen auf Jesus blicken, auf die schlichten Handlungen, die sein Leben ausgemacht haben.

 

Der erste Weg führt zum Gebet


Wir lesen im Markusevangelium: „In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.“ (Markus 1,35) Jesus steht auf – und zwar „in aller Frühe“, als es noch ruhig ist. Und der erste gewichtige Akt des Tages nach dem Aufstehen: das Fortgehen an einen Gebetsort.
Das ist ziemlich bemerkenswert. Für viele von uns ist es schwer, in der Früh aus dem Bett zu kommen. Für manche Menschen, die mit inneren Lasten zu kämpfen haben, ist es eine gewaltige Leistung, aufzustehen. Hier gibt es das Wort „Dysanie“, das Gefühl, nicht aus dem Bett aufstehen zu können. 

 

Der Tag beginnt mit Abstandnehmen


Aufstehen ist ein Anfang. Jesus setzt diesen Anfang, dem ein weiterer Anfang folgt: Der Tag beginnt mit Beten in Stille und Einsamkeit. Jesus steht nicht nur auf, er steht auf und geht an einen einsamen Ort, um zu beten. Er entfernt sich also vom Ort seiner Arbeit und seines Ruhens, vom Ort seiner Gemeinschaft, von seiner Bleibe. Er sucht einen anderen, einen einsamen Ort auf. Wir können uns vorstellen, dass auch das Hingehen zu diesem Ort eine Vorbereitung auf das Gebet ist, eine Vorbereitung auf die Gottesbegegnung. So beginnt der Tag.

 

Wer aufsteht, kann auch gehen 


Jesus hilft auch anderen beim Aufstehen: Die Schwiegermutter des Petrus kann, nachdem er sie berührt, vom Krankenbett aufstehen (Markus 1,31). Er fordert einen Gelähmten auf, aufzustehen (Johannes 5,8). Er sagt zu einem verstorbenen Jüngling: „Ich sage dir: Steh auf!“ (Lukas 7,14). Er sagt zu den Jüngern, die nach der Verklärung zu Boden fallen: „Steht auf!“ (Matthäus 17,7). Wer aufsteht, kann auch gehen. Aufstehen ist ein Anfang, dem ein weiterer Anfang folgt. Jesus heilt, damit Menschen ins Leben gehen und anderen dienen können.

 

Alltagstipp

 

Ein Vorsatz für die nachösterliche Zeit: Aufstehen lernen. Von Jesus lernen, aufzustehen: „In aller Frühe“ – es ist noch still und dunkel – aufstehen, um zu gehen. Gehen, um zu beten.

 

Buchtipp:

 

Clemens Sedmak, Wie leben? Von Jesus lernen.
40 Bibelstellen, die zeigen, wie Menschsein gelingen kann,
Tyrolia 2025, 200 Seiten, Hardcover 20 €, eBook 16,99 €

 

 

Jesus hat durch das Beispiel seines Lebens gezeigt, wie menschliche Lebensführung gelingen kann. Clemens Sedmak wirft einen tieferen Blick auf das Leben Jesu als „Lebensschule“.

 

Clemens Sedmak 
Professor für Sozialethik an der University of Notre Dame (USA) und Co-Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung in Salzburg

Clemens Sedmak, Wie leben? Von Jesus lernen.
Clemens Sedmak, Wie leben? Von Jesus lernen.
© Tyrolia Verlag
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