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„Dies ist die Nacht“

GLAUBENS_GUT

Die Feier einer Nacht am Vormittag, Lesungen nur auf Latein, unverständliche Symbole: All dies machte eine Reform der Osternacht im 20. Jahrhundert nötig – schon mehr als zehn Jahre vor Beginn des II. Vatikanischen Konzils.

Ausgabe: 14/2026
31.03.2026
- Kathpress/Hannah Krewer/AME
Die Osterkerze ist ein wichtiges Element der gottesdienstlichen Feier der Osternacht. (Foto Osterkerze)
Die Osterkerze ist ein wichtiges Element der gottesdienstlichen Feier der Osternacht. (Foto Osterkerze)
© © Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

„Dies ist die Nacht“: Wer heute eine katholische Osternacht besucht, hört diesen Satz im Osterlob („Exsultet“) mehrfach. Seit rund 75 Jahren stimmt das auch wieder. Denn die Feier findet heute in der Nacht zum Ostersonntag statt. Das war lange Zeit anders. Erst Papst Pius XII. änderte das in den 1950er-Jahren.

 

Vom Dunkel ins Licht 


Die Idee der Osternacht ist klar: Es geht um den Übergang vom Dunkel ins Licht und vom Tod zur Auferstehung. Diese starke Symbolik steht im Zentrum der Feier. Doch im Lauf der Geschichte wurde die Osternacht immer weiter nach vorne verlegt – am Ende sogar auf den Vormittag des Karsamstags.
Das führte zu einem Widerspruch zwischen Inhalt und Zeitpunkt. „Christus ist noch im Grab und man feierte schon seine Auferstehung“, erklärt der deutsche Priester Johannes Funk, der zu diesem Thema seine Doktorarbeit schreibt. 
Für viele Christ:innen war die Feier zudem schwer zugänglich. Sie dauerte oft sehr lange, fand zu einer unpassenden Zeit statt und wurde auf Latein gehalten. Das machte es für die Menschen schwierig, den Ablauf zu verstehen oder aktiv teilzunehmen. Dadurch verlor die Osternacht für viele Gläubige an Bedeutung.

 

Reformideen aus Österreich


Ideen für eine Reform gab es schon im 19. Jahrhundert. 1930 begann der Priester Pius Parsch im Stift Klosterneuburg bei Wien, die Osternacht wieder näher an die eigentliche Nacht zu legen. Gleichzeitig versuchte er, die Gläubigen stärker einzubeziehen. 
Einige Gemeinden in Deutschland griffen diese Ideen auf, auch wenn das damals offiziell nicht erlaubt war. Schritt für Schritt verbreiteten sich diese Veränderungen.
Kritische Stimmen habe es natürlich gegeben, räumt Funk ein. Aber: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ 

 

Zugänglich für Mitfeiernde


Einen wichtigen Anstoß gab 1950 der französische Kardinal Achille Liénart. Er setzte sich in Rom dafür ein, dass Christ:innen die Osternacht wirklich miterleben können. Seine Argumente waren vor allem praktisch und seelsorgerisch: Die Feier sollte für die Menschen zugänglich sein. 1951 wurde die neue Form zunächst getestet, 1956 dann endgültig eingeführt. Dabei wurde nicht nur die Uhrzeit geändert. Auch der Ablauf wurde vereinfacht. Es gab weniger Lesungen, und die Gemeinde wurde aktiver beteiligt, zum Beispiel durch die Erneuerung des Taufversprechens. 
Wichtige Symbole wurden stärker betont: etwa das Feuer vor der Kirche und die Osterkerze, die in die dunkle Kirche getragen wird. So konnten die Christ:innen die Bedeutung der Feier besser erleben. 

 

Roter Faden der Ostertage


Lange wurde in der Form von 1951 nicht gefeiert. Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils folgte ab 1964 eine weitere umfassende Liturgiereform. Erneut waren Osternacht und Karwoche betroffen – „weil man der Ansicht war, man könne die nicht auslassen, wenn man alles andere überarbeitet“, so Funk. Am Ende sei die Idee gestanden, den Elementen, die über die Jahrhunderte gewachsen sind, einen roten Faden zu geben. Zusätzlich wurde den Zelebranten ein gewisser Spielraum gelassen, etwa bei der Auswahl der sieben alttestamentlichen Lesungen, von denen nur einige obligatorisch sind, und der Länge des Exsultet.
Für den Experten Funk zeigt die Reform, dass sich die Kirche verändern kann, ohne ihre Tradition aufzugeben. Die Osternacht soll nicht nur an ein Ereignis aus der Vergangenheit erinnern, sondern für die Menschen heute verständlich und erfahrbar sein. 
 

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