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Die Kraft des Vertrauens

Glaube

Papa lässt mich nicht fallen. Welch Glück! Wer diese Erfahrung in seiner Kindheit machen durfte, hat ein gutes Rüstzeug für das Leben mitbekommen. Vertrauen. Es steht im Moment hoch im Kurs in Österreich – und ist sogar zum Regierungsprogramm geworden.  

Ausgabe: 27/2019
02.07.2019
- Matthäus Fellinger
© Roman Hense - stock.adobe.com

Er oder sie hat unser Vertrauen verloren. So bekommt man es nicht selten zu hören. Eigentlich müsste es heißen: Ich habe mein Vertrauen verloren. Zum Vertrauen gehören nämlich, wie in allen zwischenmenschlichen Belangen, mindestens zwei. Der Vertrauenswürdigkeit des einen steht die Vertrauensfähigkeit des anderen Menschen gegenüber. Und nur im Miteinander wird Vertrauen zum Boden, der trägt.

 

Vertrauen wie Feuer

Vertrauen zu können, das ist eine der erstaunlichsten menschlichen Fähigkeiten. Doch es ist wie beim Feuer: Nur wenn es brennt, ist es da. Bloß als Same, als Talent, ist die Vertrauensfähigkeit Menschen in die Wiege gelegt. In der Nestwärme enger menschlicher Beziehung – vom Mutterleib an – kann sie sich entwickeln. 
„Trauen“ steht im Vertrauen. Trauen im Sinne von wagen, das nach Mut verlangt. Ein „Tätigkeitswort“ also. Ein Leisten, ein Entgegenbringen. 
„Ich traue mich“ und „Ich traue dir“. Diese beiden Zusagen müssen zusammenkommen. Dann wird Trauen zum Vertrauen.
Wo sich ein Mensch – um Vertrauen fassen zu können – alles vom anderen erwartet, ohne selbst seinen Anteil einzubringen, wird das Vertrauen nicht tragen. Es steht dann auf schwachen Beinen da.

 

Über die Regeln hinaus

Vertrauen braucht es auf verschiedenen menschlichen Ebenen. Verträge und Regeln allein machen das Zusammenleben nicht wirklich spannend und schön. Überraschungen, das „Darüber-hinaus“ wird möglich, wenn sich Menschen über die geregelten Bahnen des Miteinanders hinauswagen. Im vertrauensvollen und zutrauensvollen Miteinander öffnen sich die Lebenstüren. 

 

Vertrauen im „Wir“

Vielleicht täte man auch gut daran, Vertrauen nicht zu sehr als eine politische Kategorie zu sehen – obwohl auch dort viel Vertrauen nötig ist. Vertrauen braucht die Verankerung in den einzelnen Menschen und Herzen. Man kann nicht einfach stellvertretend für andere  vertrauen. Man kann sein eigenes Vertrauen auch nicht anderen überstülpen oder es ihnen gar verordnen. Vertrauen fördern, das schon. Sich um Vertrauen mühen, das auch. In der Wir-Form kann es problematische Formen entwickeln. Hinter einem gemeinsamen Vertrauen, das um seine Gründe nicht mehr weiß, kann sich verdeckter Fanatismus verbergen. Das Vertrauen bleibt an die Gruppe delegiert, ist nicht mehr im eigenen Herzen empfunden. So wäre Vertrauen blind. Doch im „Wir“, im gemeinsamen Vertrauen, liegt auch Stärke. Im Miteinander mag es leichter gelingen.
Vertrauen ist einer der „heiligen“ Begriffe, mit denen man behutsam umgehen muss. Es betrifft das höchstpersönliche Verhältnis unter Menschen. Eigentlich ist es eine Facette zwischenmenschlicher  Liebe, wie diese stark und zerbrechlich zugleich – und wie die Lieb ist es auch mit einer Art Lust verbunden. Menschen, die einander vertrauen, wagen sich durch dick und dünn. 

 

Aus der Serie „Was Menschen können - Vertrauen“, Teil 1 von 4

Teil 2 - Verwandeln

Teil 3 - Vergeben

Teil 4 - Verstehen

 

 

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Gott will das Leben
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Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.

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