Als der Linzer Otto Hirsch in Kärnten vor über 20 Jahren seine Ideen für die Kroatien-Hilfe präsentierte, wurde er aus dem Caritas-Büro geworfen. Die Ablehnung wandelte sich in Kooperation und bescherte Hirsch sogar einen neuen Job.
Es war im Jahr 1992. Der Linzer Otto Hirsch fragte beim Kärntner Caritas-Mann und Nachbar-in-Not-Koordinator Peter Quendler um Unterstützung für sein Kinderprojekt in Kroatien an. Quendler meinte nur, Hirsch solle erst einmal zeigen, ob er etwas zu Stande bringt. Hirsch baute mit Kooperationspartnern, darunter auch KirchenZeitungs-Leser/-innen, in der Nähe von Split das Friedensdorf MIR für 60 Kinder mit Behinderung. Kontakt zu Quendler gab es längere Zeit keinen mehr. Beide aber trafen in ihren Projekten in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens immer wieder auf Spuren des jeweils anderen. So auch bei DOMINO, einem Projekt der Offenen Psychiatrie, das Hirsch in Sarajewo in Kooperation mit EXIT sozial 1997 begann. „Ich habe Quendler verfolgt und er mich“, erzählt der Malermeister Otto Hirsch, der unternehmerisch auch in Polen, Tschechien, Rumänien, Ungarn und Russland tätig ist.
Über Sarajewo nach Kunduz
Irgendwann hat sich Peter Quendler das Projekt MIR angeschaut und Otto Hirsch gratuliert. Diesem ersten freundlichen Wort folgte eine lange Zeit gemeinsamer Projektarbeit – im Kosovo, in Afghanistan und schließlich in Afrika, wo die Caritas Kärnten im Südsudan, in Kenia und Uganda Hilfe leistet. – Peter Quendler ging in Pension, führte aber die Auslandshilfe der Kärntner Caritas ehrenamtlich weiter. Er und Otto Hirsch wurden zu einem Helfer-Duo, das in der Caritas sowie in Kärnten und in Oberösterreich bestens vernetzt war. Gemeinsam stellten sie in Afghanistan, in der Stadt Kunduz, das Projekt „Solidarität gegen den Krieg“ auf die Füße. Mit einer Schule, einem Kindergarten, einem Frauenzentrum und einer Schneiderei-Produktionshalle ist es ein Vorzeigeprojekt der Frauenförderung.
Afrika ans Herz gelegt
„Dann hat Quendler begonnen, mir seine Afrika-Projekte zu zeigen.“ Es war wohl ein Ans-Herz-Legen. Die Freundschaft wuchs, sie nährte sich auch aus dem Humor der beiden. So „schenkte“ Peter Quendler seinem Freund Otto einmal in der Weihnachtszeit einen „Urlaub“. Er nannte nur Ort und Datum des Abflugs sowie Dauer der Reise, kein Ziel. Am Flughafen wartete eine Transportmaschine mit Ziel Kosovo, wohin Peter Quendler drei in Österreich operierte Kinder begleitete. Ein Jahr später revanchierte sich Otto bei Peter: „Urlaubsziel“ war ein Straßenkinder-Projekt in Dafur, Südsudan.
In Quendlers Fußstapfen
Peter Quendler starb 2011. Die Freundschaft der beiden trägt weiter Früchte. Kärntens Caritasdirektor Prälat Dr. Viktor Omelko hat den mit den Projekten vertrauten Otto Hirsch gebeten, Quendlers Arbeit – ebenfalls ehrenamtlich – fortzuführen. So leitet Hirsch nun die Auslandsabteilung der Caritas Kärnten. Dafür investiert er sechs bis zehn Stunden pro Woche. Von Zeit zu Zeit kommt er zu Besprechungen nach Kärnten. Viermal im Jahr besucht er mit Partnern die Projekte.
Verpflichtung
„Den Wohlstand und meine Fähigkeiten darf ich nicht nur für mich nutzen.“ Die Kombination Ehrenamtlichkeit, Wirtschaft und caritativer Auftrag könne befruchtend sein. Der Glaube ist Grundlage. „Du kannst in jedem Menschen einen Teil von Jesus finden“, sagt er. Wichtiger spiritueller Begleiter ist ihm Abtpräses P. Christian Haidinger. Und bei den Pfadfindern hat er gelernt, Verantwortung zu übernehmen, zu organisieren und Projekte abzuwickeln.
Straßenkinder in Nairobi
Das Projekt „Hope for Future“ hat vier Bereiche: Schule, Fußballakademie, Bäckerei samt Ausbildung, Gesundheits- und Sozialzentrum: www.hopeforfuture.at In einer neuen Schule werden 110 Schüler/innen unterrichtet. Eine Schule für 900 Kinder wurde umgebaut. Die Fußballakademie, die die LASK-Legende Helmut Köglberger leitet, startet in diesen Wochen. Ab 2017 sollen dort 80 Buben und 80 Mädchen ausgebildet werden. Margarete Pernsteiner-Windtner ist Schirmherrin der Akademie. Der Bau der Bäckerei wird noch heuer begonnen. Das Gesundheits- und Sozialzentrum entsteht in den Slums.