Rotz und Wasser hab ich geheult, als ich mich in die Karenz verabschiedet habe. Damals, vor mehr als zwei Jahren.
Unter Uns von Elisabeth Leitner
Ausgabe: 2013/41, Unter Uns
09.10.2013
Und gefreut hab ich mich auf den neuen Erdenbürger, der bald in unserer Mitte sein würde. Nach der Geburt, schon in den ersten Tagen, fühlte ich mich, als wäre ich auf einem andern Planeten gelandet: Stillen ohne Ende, „Pucken“ – eine Wickeltechnik, um Neugeborenen Geborgenheit zu vermitteln, und schlaflose Nächte .... – Was da alles auf mich hereinstürzte, wie wenig ich über diese kleinen Wesen und ihre Bedürfnisse wusste, machte mich hilflos. Glücklich war ich trotzdem. So ein süßer Wicht! Unglaublich, wie sich die vertraute Welt verändert, zieht man mit so einem kleinen Kerl um die Häuser. Ich kenne jetzt jedes Kind in unserer Siedlung mit Namen, dazu die Geschwister, Spielsachen, Fahrräder. Ich weiß, wer, wann, wo zu Hause ist oder nach Hause kommt. Ich kenne die Nachbarn, die uns freundlich gesonnen sind, und jene, die uns bloß als störende Lärmquelle betrachten. Vom anderen Planeten bin ich wieder zurückgekehrt, manches Vertraute sehe ich ganz neu. Die Welten, in denen ich jetzt wieder lebe und arbeite, liegen doch nicht so weit auseinander. Erleichterung!
Elisabeth Leitner Elisabeth.Leitner@kirchenzeitung.at