Mit einer Musical-Adapation des Dschungelbuchs begeistert das Gymnasium Dachsberg das Publikum. Mit dabei als Tänzer ist auch der 17-jährige Bagher Ahmadi. Der afghanische Flüchtling träumt davon, eines Tages Schauspieler zu werden.
Ausgabe: 2013/42, Flüchtling, Dachsberg
16.10.2013
- Paul Stütz
Auf die Liane klettert er ohne Hände, und mit einem spektakulären Radschlag ohne Hände setzt Bagher jedes Mal einen Glanzpunkt bei den Musical-Aufführungen in Dachsberg. Nicht anzusehen ist Bagher dabei, dass er kein „normaler“ Schüler an der katholischen Privatschule Dachsberg ist. In seinem jungen Leben hat der gebürtige Afghane bereits einiges durchgemacht. Nach mehreren Monaten Flucht ist er schließlich in Österreich gelandet und in dem Kurort Gallspach aufgenommen worden. Gemeinsam mit rund 30 Burschen aus Afghanistan wird er seit einem Jahr am Gymnasium unterrichtet. Die Jugendlichen sind zwischen 16 und 18 Jahre alt und ohne Eltern oder Familie unterwegs. Ungewiss ist, ob sie in Österreich bleiben dürfen. Eine sehr schwierige Situation für Jugendliche wie Bagher, die einfach von einer besseren Zukunft träumen. „Ich möchte die Schauspielschule besuchen. Das wird fast unmöglich sein, weil die sehr teuer ist“, erzählt Bagher im Gespräch mit der KirchenZeitung. Den Traum Schauspieler oder Stuntman zu werden, möchte Bagher dennoch verfolgen. Der 17-Jährige ist sehr sportlich, etwa ein guter Kickboxer. Häufig übt er in seiner Freizeit Parcour und springt dabei machmal sogar von Dächern.
Albträume von der Flucht
Sein Kollege, Rohullah Naseri möchte dagegen Schriftsteller werden. „Ich schreibe Geschichten und Gedichte über meine Reisen. Wenn ich meine Familie vermisse, hilft mir das Schreiben“, erzählt der 17-Jährige, der so wie Bagher bereits sehr gut Deutsch spricht. Manchmal verfolgt ihn seine Flucht noch im Schlaf. „Es war wie ein Riss zwischen Leben und Tod“, sagt Rohullah. Den österreichischen Mitschülern möchte Rohullah vermitteln, dass sie „es gut haben im Frieden und in der Schönheit der Welt“. Es ist eine Botschaft, die durchaus ankommt, wie der 15-jährige Mitschüler Felix Ferchhumer meint: „Ich denke, durch die afghanischen Flüchtlinge kann man auch sehen, wie gut wir es hier haben.“