Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) macht mit Theatervorstellungen im ganzen Bundesland auf die Risiken im Netz aufmerksam. Die Juristin Christine Winkler-Kirchberger über Pädophile im Netz, „Sexting“ und Motive von Mobbingtäterinnen und -tätern.
Wie häufig sind Sie in der Beratung mit den Schattenseiten des Internets konfrontiert? Winkler-Kirchberger: Man kann sagen, dass es in jeder Schulklasse Betroffene gibt. Besonders häufig ist Cyber-Mobbing, dass Jugendliche etwa von Klassenkollegen im Internet fertiggemacht werden.
Beleidigungen oder unvorteilhafte Fotos sind – einmal hochgeladen – schwer aus dem Internet wegzubringen. Für die Täterinnen und Täter geht das so leicht und anonym. Sehr schnell entsteht da großer Schaden. Es fehlt die Einschätzung, was das bei den Opfern bewirkt.
Was sind beim Cybermobbing die Tat-Motive? Beim Mobbing ist es ein „Sich-selbst-Erhöhen“ auf Kosten anderer. Das Problem beim Mobbing ist in erster Linie, dass so viele zuschauen. Im Internet machen da noch mehr mit.
Auch „Sexting“ – das Verschicken von erotischen Bildern an den Freund – hat zugenommen? „Sexting“ bedeutet, dass ein Mädchen zuerst ihrem Freund im Vertrauen und nur für ihn erotische Bilder zur Verfügung stellt. Das ist ja nicht strafbar. Nach Ende der Beziehung schickt das der Ex-Freund weiter. Bei Sexting ist Rache das Hauptmotiv. Manchmal geht das so weit, dass die ganze Schule die Nacktfotos hat.
Da kann man wohl auch nur raten, solche Fotos erst gar nicht zu verschicken? Ja, einfach wirklich aufpassen, Freundschaften können in die Brüche gehen.
Was sind die Tricks der Pädophilen, um das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen? Wir haben bei der Kija zum Beispiel erlebt, dass sich ein zwölfjähriges Mädchen mit einem Internetbekannten angefreundet hat, der sich als 16-Jähriger ausgegeben hat. In Wirklichkeit war er aber weit über 50. Die Pädophilen geben sich außerdem meistens sehr freundschaftlich und nett.
Das heißt, bei einem Teil der Jugendlichen gibt es eine große Unbedarftheit, was das Internet betrifft? Es ist oft erschreckend, wie unbedarft mit Daten umgegangen wird.
Wie kann der Schaden gutgemacht werden? Manchmal können die Täter Fotos wieder rausnehmen. Ein Ansatzpunkt der öfter gewählt wurde, ist die öffentliche Entschuldigung in der Facebook-Runde. Teilweise kommen die Täter in die Beratung, manchmal muss auch die Polizei beigezogen werden.
Was wollen Sie Opfern vermitteln? Betroffene sollen sich bei uns melden. So bald als möglich. Denn leider werden wir von der Kija meistens sehr spät hinzugezogen.