Ich hab' immer gewusst, dass mich meine Haflingerstute mag. Aber wie tief diese Beziehung eigentlich ist, diesen Beweis lieferte sie mir bei einem Ausritt.
04.11.2013
Mit meiner Liesl habe ich täglich sehr viel Freude. Sie ist sehr gutmütig und anhänglich. Ich hab' ja immer gewusst, dass sie mich mag und sich freut, wenn ich komme. Aber wie tief diese Beziehung eigentlich ist, diesen Beweis lieferte sie mir bei einem Ausritt: Zum Stall zurück führt ein steiler Schotterweg abwärts. Meine Freundin war mit ihrem Vollblut, das weit längere Beine hat als meine Haflingerdame, ziemlich voraus und bog schon Richtung Stall ein. In dem Moment löste sich mitten auf der steilsten Stelle der Sattel und rutschte samt mir seitlich an den Bauch von Liesl. Ich hing da, konnte nicht mehr hinauf und hinunter und fühlte schon mein letztes Stündlein schlagen. Jedes andere Pferd wäre auf der Stelle losgerast und durchgegangen, schon gar, wenn der Pferdekollege Richtung Stall verschwindet. Ich wäre mitgeschliffen worden, und wie solche Unfälle ausgehen, weiss man ja … Pferde sind nun mal Fluchttiere, und wenn sie etwas erschreckt, wollen sie nichts wie weg! Aber was macht meine Liesl? Als sie merkte, in welch' misslicher Lage ich mich befand, blieb sie stehen!!! Sie blieb wirklich stehen, obwohl ihr Stallkollege schon fast daheim war und in ihrer Box schon das Futter wartete!!! (Futter steht bei Liesl auf der Prioritätenliste GAAAAAAANZ oben!) Sie wartete geduldig, bis ich mich aus der zirkusartigen Lage an ihrem Bauch wieder befreit hatte und auf sicherem Boden stand. Das vergesse ich ihr nie!! Mir schlotterten die Knie, als ich ihr dankbar um den Hals fiel, und ich gab mir eine mentale Ohrfeige, weil ich nicht nachgegurtet hatte.
Sicher zurück im Stall bereitete ich ihr als Dankeschön ein Spezialmüsli aus Äpfeln, Bananen, Nüssen, Honig und Cornflakes, wie sie es sonst nur zu Weihnachten kriegt. Für sonstige Dankbarkeitsbezeugungen meinerseits hatte sie nun keine Zeit mehr, denn ihr Kopf verschwand im Futtereimer. Und während Madame Liesl ihre Belohnung mit akribischer Genauigkeit vertilgte, (so ein Eimer sieht nachher aus, als wäre er im Geschirrspüler gewaschen), schickte ich aus tiefstem Herzen ein Dankeschön himmelwärts ...
Johanna Deinhammer, Lambach