Die Wirtschaft, die am lautesten nach der Pensionsreform ruft, wird auch ihren Beitrag leisten müssen. Ein Kommentar von Hans Baumgartner.
Ausgabe: 2013/45, Pensionssystem
06.11.2013
- Hans Baumgartner
Wenn Parteien nach Wahlen eine neue Regierung verhandeln, dann dauert es nicht lange, bis als einer der Eckpunkte, um die es gehen wird, die „Sicherung des Pensionssystems“ genannt wird. Nicht nur deshalb, weil an einem „sicheren Pensionssystem“ die Lebensmöglichkeiten und die Lebensplanungen eines Großteils der Bevölkerung hängt, von den Alten bis zu den Jungen; das Pensionssystem wird auch deshalb immer wieder auf die politische Agenda gesetzt, weil gerade hier besonders gilt, dass nicht bleibt, was ist, wenn es nicht verändert wird.
Derzeit gibt es keine Fachstimme, die nicht dringend eine raschere Heranführung des faktischen Pensionsantrittsalters an das gesetzliche Pensionsalter fordert und eine raschere Angleichung von Frauen (60)- und Männer (65)-Pensionsalter. Beide Forderungen sind unbestritten – aber wenn sie nicht einseitig auf Kosten der kommenden Pensionsbezieher umgesetzt werden sollen, braucht es gute Begleitprogramme. Dazu gehören eine höhere und bessere Anrechnung von Erziehungszeiten ebenso wie Regelungen, die es Betrieben erschweren, ältere Arbeitnehmer hinauszudrängen. In beiden Fällen wird dazu auch die Wirtschaft, die am lautesten nach der Pensionsreform ruft, ihren Beitrag leisten müssen. Schweden zeigt das mit seinen familienfreundlichen Regelungen und seinem effizienten Bonus-Malus-System vor. Aber noch setzt man bei uns lieber auf den frühen Abschied mit allen möglichen und unmöglichen „Golden-Handshake-Modellen“ anstatt zu begreifen, dass ältere Arbeitnehmer, die sich akzeptiert fühlen, auch ein wertvolles Betriebs-, weil Erfahrungskapital sind.