Viel von Mut und Visionen, von der Bereitschaft hinzuschauen, wo der Schuh drückt, vom Vorrang des Menschen in der Wirtschaft und vom Wettbewerbsvorteil „Mitmenschlichkeit“ war vergangenes Wochenende die Rede. Die Anlässe: die offizielle „Stabübergabe“ bei der Caritas von Franz Küberl an Michael Landau und der Festakt zum 200. Geburtstag von Adolph Kolping. Kanzler Faymann würdigte das Kolpingwerk als das Gegenteil der vom Papst immer wieder kritisierten „Gleichgültigkeit“. Kolping stehe für gezieltes Hinschauen und konkretes Handeln, sagte der Kanzler. Gerade das aber fehle der Politik, die Bereitschaft zur Begegnung mit der realen Armut, sagte Caritaspräsident Michael Landau auf einem anderen Podium. Und er kritisierte den mangelnden Mut und die fehlenden Visionen, das Thema Armutsvermeidung und Armutsbekämpfung umfassend und entschlossen anzugehen.
„Wer Mut zeigt, macht Mut“, zitierte der EU-Parlamentarier Othmar Karas den Gesellenvater Kolping. Und er meinte, wir brauchen gerade in der Politik „Mutmacher“, die Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen und die soziale Balance nicht dem Spiel der Marktkräfte überlassen. „Wir müssen die Mitmenschlichkeit zum wirklichen Wettbewerbsvorteil Europas machen“, zitierte Karas den scheidenden Caritaspräsidenten Küberl. Aber wo sind sie denn, die Politiker, hierzulande und in der EU, die den Mut haben, dem Diktat des Geldes gegenzusteuern und Regeln zu beschließen, die zuerst die Menschen und nicht den Geldmarkt, zuerst die Hilfe für die Armen und nicht den Schutz der Vermögenden im Blick haben?!