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„Ich schaue nicht nur auf Olympia“

Jacqueline Seifriedsberger (22) aus Schildorn im Innviertel zählt zur Weltspitze im Skispringen. Ein Gespräch über ihre Vorbilder, ihre mentale Vorbereitung in der Olympiasaison und den Knopf, der ihr aufgegangen ist.
Ausgabe: 2013/49, Skispringen, Damen-Skispringen, Seifriedsberger
04.12.2013
- Interview: Paul Stütz
© GEPA pictures
Wie sind Sie zum Skispringen gekommen?
Jacqueline Seifriedsberger: Es war eigentlich ganz einfach: Ich bin mit meinem älteren Bruder mitgefahren zum Training. Weil es mich immer interessiert hat, was er macht. Mit Puppen habe ich wohl deswegen nie gespielt. Einen Einfluss hatte natürlich auch Andreas Goldberger, der war ja im Nachbarort Waldzell daheim. Begonnen habe ich das Springen mit Alpinski. Am Anfang hat es mir nicht so getaugt, da habe ich Angst gehabt. Mit sechs bin ich dann zum ersten Mal auf Sprungskiern gestanden und seitdem bin ich dabei. Andreas Goldberger ist eines ­Ihrer Vorbilder. Gibt es ein Vorbild bei den Damen-Skispringerinnen?
Seifriedsberger: Ja, schon, vor allem die Daniela Iraschko, weil sie viel erreicht hat. Ich bewundere ihren großen Ehrgeiz, ich kann mich beim Trainieren mit ihr messen. Haben Sie Schanzen, die Ihnen mehr taugen als andere?
Seifriedsberger: Ja, die japanischen und norwegischen Schanzen. Natürlich auch die Heimschanze in Hinzenbach, auf der wir recht oft trainieren. Wenn man gut drauf ist, spielt das aber nicht so eine große Rolle, wo man springt. Möchten Sie Skifliegen einmal ausprobieren?
Seifriedsberger: Das würde mich schon einmal reizen. Diese Saison werde ich es aber wahrscheinlich noch nicht machen. Sie haben als Jugendliche Olympia 2010 als großes Ziel genannt. Dann hat der IOC Damen-Skispringen für 2010 nicht zugelassen und erst für Olympia 2014 ins Programm genommen. Wie sehr hat Sie das geärgert?
Seifriedsberger: In dem Moment, als ich es gehört habe, hat es mich schon sehr geärgert. Ich glaube aber, dass wir damals noch nicht so weit waren. Es war die richtige Entscheidung des IOC. Es hat sich in den dreieinhalb Jahren viel getan. Das Niveau des Damen-Skispringens und die Teilnehmerinnenzahl haben sich gesteigert. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Olympia. Sie könnten die erste Olympiasiegerin überhaupt in dieser Disziplin werden. Ein Gedanke, der Sie schon heute nervös macht?
Seifriedsberger: Ich schaue von Wettkampf zu Wettkampf. Nervös macht mich Olympia noch nicht. Es beschäftigt mich nicht so, dass ich in der Nacht munter werde oder davon träume. Da bin ich froh darüber. Wie gehen Sie die ganze Olympiasaison mental an?
Seifriedsberger: Wir haben mit dem Trainer abgesprochen, dass wir jetzt nicht nur auf Olympia schauen. Das Prob­lem bei uns ist, dass wir beim Springen nur eine Chance haben. Man kann schon gezielt darauf hinarbeiten, aber in meinen Augen ist das eigentlich ein Fehler, weil es muss so viel passen an dem einen Tag. Das wäre schade, die ganze Saison nur auf das aufzubauen. Ich persönlich schaue, dass ich konstant gut springe. So kommt es eh von alleine. Am Auftaktwochenende in Lillehammer steht ein Mixed-Bewerb am Programm. Bringt das die gewünschte Aufmerksamkeit für die Ski springenden Damen?
Seifriedsberger: Ich glaube, dass es funktioniert. Die Herren sind schon lange im Fernsehen und werden immer angeschaut. Für die Zuschauer wird das sehr interessant. Es ist eine gute Sache, dass der Mixed-Bewerb gleich am Auftakt dran ist. Sie sind mit Gregor ­Schlierenzauer befreundet. Beneiden Sie ihn manchmal um die große Aufmerksamkeit?
Seifriedsberger: Nein, er hat sich das ja verdient. Er arbeitet sehr hart dafür. Ich gönne ihm den Erfolg. Natürlich wäre das super, wenn das Interesse für das Damenspringen ein bisschen mehr würde. Aber es wird eben dauern, man kann nicht ­alles auf einmal haben. Sie haben Silber und Bronze bei der WM 2013 im Val di Fiemme geholt. Hat es Sie selbst überrascht, dass gerade in der letzten Saison der große Fortschritt passiert ist?
Seifriedsberger: Ja, es hat mich schon überrascht. Ich habe gewusst, dass ich gut springen kann, nur war die Nervosität mein Problem. Ich bin froh, dass mir letzte Saison der Knopf aufgegangen ist. Ich weiß jetzt, dass ich es auch bei Großereignissen draufhabe. Es sind einfach die Jahre, mit denen ich dazugelernt habe. Es war alles eine Frage der Zeit.

Damen-Skispringen


Noch ist Skispringen eine Männerdomäne. Doch seit der Jahrtausendwende ist Damen-Skispringen auf dem Vormarsch. Im Jahr 2009 ließ die FIS im Rahmen der Nordischen Skiweltmeisterschaft eine erste offizielle Frauen-Skisprung-Weltmeisterschaft in Liberec austragen. 2014 werden die Damen in Sotschi erstmals olympisch springen. Neben der Steirerin Daniela Iraschko ist Jacqueline Seifriedsberger aus Schildorn im Innviertel erfolgreichste Athletin des ÖSV-Sprungteams. Sie wurde zu Oberösterreichs Sportlerin des Jahres 2013 gekürt. Die 22-Jährige, die ihr Debüt im Continentalcup 2004 gab, gewann bei der Skiweltmeisterschaft 2013 im Val di Fiemme die Bronzemedaille im Einzelbewerb und Silber im Mixed-Bewerb.
www.jacqueline-seifriedsberger.com
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