Die Freude darf niemandem genommen werden. Es wäre der schwerste Diebstahl, die tiefste Verletzung am Menschen. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
„Ich hätte mich so gefreut – und dann das!“ Es ist etwas vom Schlimmsten, das man einem Menschen antun kann: dass man ihm die Freude nimmt. Die Freude, das sind die blühenden Momente, die volle Zustimmung zum Leben, wenn das Herz lacht. Der Dritte Adventsonntag wird als der Sonntag „Gaudete“ begangen. „Freut euch“, bedeutet es. Viel zu sehr stand das Christentum im Verdacht, dass es Menschen das Leben schwer mache und ihr Lachen unterdrücke – als wolle es bloß disziplinieren und zurechtbiegen, damit man durch die „enge Pforte“ des Himmels passt. Unsere Zeit ist wach geworden, wenn es um seelische Verletzungen geht: Mobbing. Sexuelle Belästigung. Stalking. Da gibt es Strafmaßnahmen. Noch mehr müsste man den Diebstahl an Freude – unter Strafe stellen nicht, denn das wäre wieder eine Reaktion, die niederdrückt. Darauf aufmerksam machen, das soll genügen. Die Freude darf ich niemandem nehmen. Es wäre der schwerste Diebstahl, die tiefste Verletzung am Menschen. Behüten muss man sie, wie ein flackerndes Licht im Wind. Und was die Pforte des Himmels betrifft: vielleicht werden die Lächelnden eher durchgelassen als jene mit verhärmtem Gesicht.