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Berlinerinnen und ihre WeiberWirtschaft

Berliner Frauen gründen Betriebe und sichern Existenzen
Ausgabe: 2000/27, Berlin, Frauen, WeiberWirtschaft,
04.07.2000
- Claudia Hössinger
Auf Bildungsreise nach Berlin begaben sich an die 30 Mitglieder der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung. Dort lernten sie die Berliner „WeiberWirtschaft“ kennen.

Ein spannendes Modellprojekt ist es – das genossenschaftliche Gründerinnenzentrum WeiberWirtschaft in Berlin. Über 50 Betriebe beherbergt das Zentrum – ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor also.
Mehr als ein Drittel aller Betriebe werden von Frauen gegründet, ergab eine Studie in Berlin. Studentinnen setzten auf diese Tatsache und gründeten Ende der Achtzigerjahre den Verein „WeiberWirtschaft“. Sie kauften ein Haus für das geplante Gründerinnenzentrum. Das nötige Geld organisierten sie über eine Genossenschaft. Ab DM 200,– (ca. 1.400,– Schilling) an Kapital konnte jede Frau einsteigen und Genossenschafterin werden.
Da kam die Wende. Und so stießen die Frauen auf den ehemaligen „volkseigenen Betrieb Berlin Kosmetik“. Zunächst wurde das Kaufgesuch der Frauen einfach ignoriert. Doch die Frauen machten Druck. Alle 1500 Genossenschafterinnen schrieben an die zuständigen Stellen – und waren schließlich erfolgreich.
Der Umbau der alten Kosmetikfabrik war für Berlin ein Vorzeigeprojekt für die erste ökologische Gewerbehofsanierung.Wohnen und arbeiten in einem Hof – damit verbunden sind kurze Wege sowie Zeit und Energieersparnis. Die Kantine wird am Abend als Restaurantbetrieb geführt. Ein Tagungsbereich und eine Kindertagesstätte finden sich ebenso im Projekt.1996 zogen die ersten Betriebsgründerinnen als Mieterinnen ein. Arbeitsplätze für Frauen schaffen zu wollen wird in den Mietverträgen festgehalten. Durch Zusammenarbeit können Nebenkosten niedrig gehalten werden. Die Gründerinnen profitieren stark voneinander.
Einen gewaltigen Rückschlag musste die auf Umweltbewusstsein bedachte WeiberWirtschaft hinnehmen, als ausgerechnet Altlasten des früheren Kosmetikbetriebes in den Böden zu einem massiven Geruchsproblem wurden. 40 Prozent der Flächen mussten 1999 saniert werden. Trotz der entmutigenden Situation packte die Frauen der Ehrgeiz. Sie trieben 2000 neue Genossenschaftsanteile quer durch Europa auf! Die meisten Mieterinnen sind mittlerweile wieder da, die Auslastung liegt nun etwa bei 60 Prozent, das sind über 50 ansässige Unternehmen. Derzeit wird intensiv um zusätzliche Nutzerinnen geworben.
Woher kam die Kraft für ein so engagiertes Projekt? Zum einen aus Ehrgeiz. Die Berliner Frauen wollten zeigen, dass sie es schaffen können. Zum andern aus der großen Frauensolidarität durch die vielen Genossenschafterinnen, die hinter diesem Projekt stehen.

Kontakt: WeiberWirtschaft eG, Anklamer Str. 38, 10115 Berlin-Mitte (0049/30/440 223-0)
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