In Österreich beginnt diese Woche das Wintersemester mit neuen Studienplänen. Auch die Theologie wird nach 32 Jahren ganz neu geordnet.„Unser wesentliches Ziel war es, das Studium der Theologie attraktiv zu gestalten“, meint Wolfgang Weirer. Der Assistenzprofessor für Religionspädagogik an der Universität Graz ist Vorsitzender der österreichischen Studienkommission. Ihre Aufgabe war es, die Vorgaben des neuen Universitätsgesetzes in neue Studienpläne für die vier staatlichen Katholisch-Theologischen Fakultäten umzusetzen. Diese sind seit 1. Oktober in Kraft. Auf die Frage, was sich gegenüber den Plänen aus 1969 ändert, erklärt Weirer: „Waren damals fast ausschließlich Priesterstudenten an den Fakultäten, so sind das österreichweit heute nur mehr fünf Prozent. Mit zusätzlichen Qualifikationen wollen wir Laien neue Möglichkeiten bieten.“
Bisher war die Priesterausbildung (Studienrichtung Fachtheologie), durch die von Rom vorgegebenen Richtlinien, die Studiennorm. Für die vor allem von Laien inskribierten Studien (sie heißen ab nun „Katholische Religionspädagogik“ und „Lehramtsstudium Religion“) wurden davon Abstriche gemacht und für den Religionsunterricht ergänzt. Weirer: „Jetzt haben wir ein gemeinsames Basisstudium, das durch entsprechende Module ergänzt wird.“
Insgesamt heißt das, die theologische Ausbildung orientiert sich nun stärker an der Praxis. So werden in Graz beispielsweise die Schwerpunkte Medien oder Erwachsenenbildung angeboten sowie Südosteuropa oder Theologische Frauenforschung. Schwerpunktmäßige Lehre und Forschung ist Teil der Profilbildung, die in Zukunft die Universitätsorte voneinander unterscheiden wird. Innsbruck setzt auf „Kommunikative Theologie“. In Salzburg steht neben der Bibelwissenschaft vor allem „Theologie Interkulturell und Studium der Religionen“ im Mittelpunkt. Dazu wurde ein Institut eingerichtet. Religionswissenschaft und Ökumene zählt in Wien zu den Schwerpunkten.
Nicht betroffen von der Universitätsreform wäre die einzige katholisch-theologische Privatuniversität Österreichs. Doch auch in Linz werden neue Studienpläne erstellt, um österreichweite Standards zu gewährleisten.
Das neue Universitätsgesetz bietet aber auch weitere neue Möglichkeiten für die Theologie. Denn die Studierenden aller Fakultäten erstellen sich ein Zehntel ihres Studium persönlich: zwischen Archäologie und Zoologie. „Da haben wir Theologen auch interessante Angebote“, meint Weirer. In Graz wird beispielsweise geworben für „Ethik konkret“ oder den „Grundkurs Bibel“.
Bakkalaureat
Stichwort
Hand in Hand mit der Einführung neuer Studienpläne hat die Theologische Fakultät Innsbruck auch auf das Bakkalaureatsstudium umgestellt. Innerhalb der EU ist das dreistufige Studiensystem inzwischen Standard. Erste Stufe ist das Bakkalaureat, ein dreijähriges Kurzstudium mit eigenem Abschluss und Titel (Bakk. theol.). Darauf bauen Magisterium und Doktorat auf. Innsbruck ist die erste und Theologische Fakultät im deutschsprachigen Raum, die diese Möglichkeit anbietet. Alle Studierenden, die bereits jetzt „Katholische Religionspädagogik“ neu inskribieren, können ab Wintersemester 2003 auf dieses Kurzstudium umsteigen. Für das Bakkalaureat werden weder Latein- noch Griechischkenntnisse verpflichtend vorausgesetzt. Doch einstweilen scheidet diese Einführung in der Theologie noch die Geister an den Fakultäten. Für die einen stellt es den Untergang der theologischen Wissenschaft oder gar die Gefahr eines drohenden „ekklesiologischen Ungleichgewichtes“ dar. Die anderen sehen den Aufbruch: „Wir sind überzeugt, dass es einen enormen gesellschaftlichen Bedarf nach einem akademischen Kurzstudium gibt, das gleichzeitig praktisch ausgerichtet ist“, sagt Univ.-Prof. Matthias Scharrer. „Es sind Menschen, die einen Hunger nach Orientierungswissen entdecken, und sich nicht durch schnelle Fertigrezepte der zahlreichen Wochenendkurse und Vorträge sättigen lassen.“
Neuerungen
Wesentliche Erneuerungen in den Studienplänen an den Theologischen Fakultäten: - Studieneingangsphase mit 2 Semestern eingeführt. - Freie Wahlfächer:zehn Prozent des Studiums werden persönlich gestaltet. - Stärkere Betonung der didaktischen Ausbildung. - Mehr Zusammenarbeit der Fachbereiche: „kooperative Lehrveranstaltungen“. - Verpflichtende Inhalte wie: Sprache der hebräischen Bibel, Pastoralpsychologie, Religionswissenschaft.