Wegen der Auflösungspläne des Justizministers kam der Jugendgerichtshof in die Schlagzeilen. Sein Präsident Udo Jesionek stellte ihn beim 47. offenen Sozialstammtisch vor.
Mit dem Feuer des Begeisterten erläuterte der Vortragende vor großem Publikum im Linzer Bildungshaus Betriebsseminar, welche Vorteile die Spezialisierung eines Gerichtshofes für Jugendliche hat. „Es gibt niemanden, der nicht in seiner Jugend irgendwann gegen das Strafgesetz verstoßen hätte“, betonte Jesionek, denn schon das Bekritzeln einer Schulbank beispielsweise erfüllt den Tatbestand der Sachbeschädigung.
Dummheit oder Verbrechen
Es gelte eben zwischen der „normalen“ Jugendkriminalität und einer zweiten Gruppe zu unterscheiden, wo die Gefahr besteht, dass das Kind vollkommen in die Kriminalität abgleitet. Um dies rechtzeitig zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen zu setzten, gibt es den Jugendgerichtshof und seine Hilfsmittel.Stiehlt ein Schüler eine CD, ist er durch das Abführen mit der Polizei, das Verhör und normalerweise durch die Übergabe an die Eltern genug bestraft. „Wenn er aber die CD um 10 Uhr vormittags stiehlt und sich herausstellt, dass er schon lange die Schule schwänzt, werden wir hellhörig“, erläutert Jesionek. Mit den Sozialarbeitern, Pädagogen und Psychologen steht dem Gerichtshof ein Instrumentarium zur Verfügung, die Hintergründe der sehr individuellen Fälle zu beleuchten und fallspezifisch zu reagieren. Gegen Pläne des Justizministers, den Gerichtshof aus Einsparungsgründen aufzulassen und die Kompetenzen zu verteilen, setzte sich Jesionek vorerst erfolgreich zur Wehr: Wenn man Jugendliche vor dem Abgleiten in die Kriminalität bewahren kann, dürften die Kosten keine Rolle spielen. Verbesserungen wären angesagt: Der Jugendstrafvollzug sollte besser auf Österreich verteilt werden, als in Niederösterreich zentralisiert sein. Der wichtige Kontakt vieler einsitzender Jugendlicher mit ihren Eltern wäre leichter gegeben. Jesionek kann auf 21 Jahre Erfahrung in seinem Amt zurückblicken. Als beste Vorbeugung gegen Jugendkriminalität sieht er eine Sozialpolitik, die jedem Jugendlichen einen Arbeitsplatz geben kann.