Jugendliche engagieren sich in 230 Sozial- und Umweltprojekten
Ausgabe: 2002/41, Jugend, Projekt, Dialog,
08.10.2002
- Hans Baumgartner
In Linz wird Bischof Aichern persönlich den Startschuss zur Aktion „72 Stunden ohne Kompromiss“ geben. Aus seiner Hand erhalten an die 200 Jugendliche den Auftrag, für die nächsten drei Tage die Ärmel hochzukrempeln.
Am 24. Oktober um 17 Uhr geht es für 2500 Jugendliche in allen österreichischen Diözesen zur Sache. Sie haben sich gemeldet, im Rahmen der Aktion „72 Stunden ohne Kompromiss“ drei Tage lang ganz konkret an einem Sozial-, Umwelt- oder Dritte-Welt-Projekt mitzuarbeiten. Ein Drittel der Projekte wurde von Jugendgruppen selber vorgeschlagen. Zwei Drittel der Jugendlichen wissen vorher nicht, was sie konkret erwartet. Sie erhalten am Start ein Kuvert, in dem ihre Gruppenzuteilung und ihre Aufgabe beschrieben sind. „Dann heißt es die Ärmel hochkrempeln, gemeinsam etwas bewegen und auf ein Ziel hinarbeiten, denn die gestellte Aufgabe soll innerhalb von drei Tagen abgeschlossen sein“, meint die Österreich-Koordinatorin Andrea Geiger.
Eine bunte Palette
Die Projekte der Aktion „72 Stunden“ umfassen eine breite Palette. Renovierungsarbeiten in Sozialeinrichtungen und Einsätze im Umweltbereich gehören ebenso dazu wie die Gestaltung eines multikulturellen Festes, das Einstudieren eines Theaterstückes mit Behinderten, das Einrichten eines muslimischen Gebetsraumes in einem Flüchtlingsheim, die Organisation von Ausflügen mit Senioren oder Behinderten oder die konkrete Hilfe für Hochwassergeschädigte. Die Jugendlichen werden von fachkundigen Projektleitern betreut. „Das Interesse von Organisationen, sich mit Projekten an dieser Aktion zu beteiligen, war erstaunlich hoch. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit der Caritas, die 100 Einsatzstellen angeboten hat“, berichtet Andrea Geiger. „Für die Organisationen bietet die Aktion neben dem Nutzwert auch die Chance, ihre Arbeit jungen Menschen nahe zu bringen.“
Dass Solidarität – gerade nach den Hochwasser-Erfahrungen – in unserer „Fun-Gesellschaft“ auch öffentlich wieder mehr gefragt ist, beweise auch der massive Einstieg des Radiosenders Ö 3 in die Aktion „72 Stunden ohne Kompromiss“, freut sich Andrea Geiger.
Überraschendes Interesse
Organisiert wird „72 Stunden ohne Kompromiss“ vom „Dialog X“. Es handelt sich dabei um eine Plattform – vorwiegend kirchlicher – Jugendorganisationen, die 1999 von Bischof Paul Iby nach dem „Dialog für Österreich“ ins Leben gerufen wurde. Ein Ziel war es, Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den sehr unterschiedlichen Organisationen und Bewegungen auszuloten. Nach gemeinsamen Großveranstaltungen im Jahr 2001 wurden für heuer zwei dezentrale Projekte entwickelt. In der Nacht vom 13. auf 14. April trafen sich 2500 Jugendliche an 13 Orten in Österreich zum gemeinsamen Beten, Singen und Feiern (Nightwatch).
Dieses eher „spirituelle“ Ereignis wird nun ergänzt durch eine „solidarische“ Aktion. Dabei zeige sich, so Dialog X-Koordinatorin Andrea Geiger, dass das Interesse vieler Movimenti (neue geistliche Bewegungen) an der Gebetsnacht deutlich größer war. Dafür ist bei den „72 Stunden …“ das Engagement aus dem Pfarrbereich der Katholischen Jugend, von KAJ und Kolping, aber auch von Seiten der Fokolare erfreulich hoch.
„Was uns überrascht hat, ist das große Interesse von Schulklassen am Sozialprojekt“, betont Geiger. Dass eine Reihe von Gruppen aus nichtkirchlichen Organisationen, vom Jugendrotkreuz und den Pfadfindern bis zur Feuerwehr und dem Alpenverein mit von der Partie sind, findet sie toll. „Das zeigt, dass die Jugend für soziales Engagement zu haben ist, und macht uns Mut, gerade in sozialen und gesellschaftlichen (Jugend-)Fragen breitere Allianzen zu suchen.
Zur Sache:
Eine Partie mit Obdachlosen
Vom 24. bis 27. Oktober werden an 230 Orten in Österreich Jugendliche ans Werk gehen, um ein soziales, ökologisches oder interreligiöses Projekt zu verwirklichen. „72 Stunden ohne Kompromiss“ ist das Motto für die Aktion. Organisator ist der „Dialog X“ (Plattform kirchlicher Jugendorganisationen). Am Ende soll ein zeigbares Ergebnis stehen.
In der Diözese Innsbruck sind für die Jugend-Sozialaktion 26 Projekte auf die Beine gestellt worden. In der Emmausgemeinschaft der Caritas Innsbruck leben in einem alten Bauernhof ehemals obdachlose Menschen. Gemeinsam mit ihnen sollen Reparaturen am Haus und im Garten durchgeführt werden. Zum Abschluss soll es ein gemeinsames Fest geben. Die Caritas-Tagesstätte Uderns im Zillertal möchte gemeinsam mit den Jugendlichen eine Sinneswand für behinderte und nicht behinderte Kinder errichten. Aus verschiedenen Materialien sind Gegenstände zu basteln und an der Wand anzubringen, die ertastet und erfühlt werden können. Der Verein für Obdachlose in Innsbruck wartet auf helfende Hände bei der Renovierung einer Teestube. Die Pfarre St. Pirmin in Innsbruck möchte mit den Jugendlichen einen Besinnungsweg gestalten. In Mils soll ein Natur-Erlebnispfad angelegt werden.
Information: Katholische Jugend, Barbara Heitzmann, Telefon: (0512) 22 30-608. Mail: 72stunden@dioezese-innsbruck.at n In Tirol sind alle Projekte ausgebucht; Restplätze für Schnellentschlossene gibt es noch in Linz: Tel. (0732) 76 10 -33 21; Mail: wilhelm.seufer@dioezese-linz.at Weitere Infos gibt es auf der Homepage: www.72-stunden.at