Es schüttet in Strömen an diesem Freitag, 4. Oktober. Einige Bäuerinnen und Bauern finden sich am Hof der Familie Hanl (im Bild Franz und Christine Hanl sen. mit Enkerl Magdalena) in Langenstein ein, um der Kirchenzeitung zu erzählen, was ihnen zum Thema „Erntedank“ durch den Kopf geht. Vor weniger als zwei Monaten wütete das Hochwasser. Und nun regnet es schon wieder bedrohlich ...
Wilhelmine Pils und Anna Maurer bewirtschaften im Voll- bzw. Nebenerwerb ihre Höfe in Gusendorf. Das Hochwasser spielte ihnen übel mit. An diesem 4. Oktober sitzen sie ein wenig auf Nadeln. Nicht wegen des Regens, obwohl auch der Sorgen macht – „lang darf’s nicht so weiterregnen“. Nein, sie sind unruhig, denn das Gespräch dauert schon lange und sie müssen noch zur Gruppe, die für das große Erntedankfest in Waldhausen Vorbereitungen trifft, bindet und schmückt. Erntedank, obwohl das dringend benötigte Futter für das Vieh im Stall zu etwa 60 Prozent vernichtet wurde! „Wir müssen Vieh weggeben“, ist die Konsequenz der Wetter-Katastrophe. Das Jahr 2002 hat diesem Landstrich zwischen Luftenberg und St. Nikola gleich mehrere Wetter-Tiefschläge gebracht. Zuerst eine Dürre, die allen zu schaffen machte, dann das Hochwasser. „Die Jungen waren auf Urlaub“, erinnert sich Christine Hanl an die Dürre „und ich habe nicht mehr gewusst, was wir tun sollen. Die Kühe auf der Weide haben geplärrt.“ Es stand praktisch kein Futter mehr. Mit Müh und Not kam man über diese Situation hinweg.
Futter-Not
Die Futter-Hoffnungen sind dreimal enttäuscht worden. Der erste Schnitt war mager, der zweite verdorrt (statt gewöhnlich 15 Fuhren brachten z. B. die Pils nur vier bis fünf Fuhren ein). Und dann der dritte Schnitt ...
Kurz bevor gemäht werden sollte, kam das Hochwasser. Auf den Feldern erstickte der Schlamm, was gewachsen war. Der Körnermais zum Silieren macht wegen einer Pilzkrankheit Sorgen. Das bisschen geerntete Futter hat Mängel. Nur wenig Weizen konnte geerntet werden und fast keine Wintergerste. Zudem ist das Grünfutter heuer „so aggressiv“, es bläht Kälber und Kühe. „Ein Katastrophenjahr ist das heuer, ohne Hochwasser schon“, sind sich Frau Pils, Frau Maurer und das Ehepaar Hanl (ihre Landwirtschaft war vom Hochwasser nicht betroffen) einig. Also jede Menge schlechte Erfahrungen! Dennoch danken? Nicht nur danken, sondern auch beitragen zum großen gemeinsamen Fest des Dankes in Waldhausen? „Mir tan’s gern; es wird wieder ein besseres Jahr kommen. Wir sind ja auch immer noch besser dran als Leute anderswo, etwa in China oder in Russland“, sagen die um den Tisch der Familie Hanl Versammelten. Außerdem müsse man das über all die Jahre sehen und dürfe nicht ein Jahr isoliert betrachten, weitet Frau Pils den Sinn für die Dankbarkeit. Noch ein Grund zu danken wird genannt: Es hat sich niemand ernstlich was getan!Auf einen besonderen Anlass zur Dankbarkeit kommen Familie Hanl, Frau Pils und Frau Maurer immer wieder zu reden: die große Hilfsbereitschaft. „Gigantisch war sie“, sagt Frau Maurer. Es halfen so viele zusammen – die Bauernschaft, die Feuerwehr, Menschen, die von anderswo kamen, um mit anzupacken. Viehhändler Kahlberger aus Freistadt etwa half mit, das Vieh aus den Gefahrenzonen herauszubringen und dann wieder in die Stallungen zurückzutransportieren.
Verbittert sein bringt gar nichts. Das Materielle ist nicht alles, resümiert die Gesprächsrunde. Dann gehen Frau Maurer und Frau Pils, um bei den Vorbereitungen zum Erntedankfest mitzuarbeiten.