Der Weg nach oben ist im Sport mit vielen Überwindungen gepflastert.
Mit einer guten Platzierung bei der Abfahrt in Cortina am 17. Jänner 2003 hätte sie sich noch ins WM-Team fahren können. Im Training ist es super gelaufen. Aber es sollte nicht sein. Ein Sturz, bei dem sie sich verletzte, begrub die Hoffnungen im Schnee. Die Entbehrungen her und her scheinen umsonst gewesen zu sein ...
So mag ein Außenstehender denken. Wer mit der betroffenen Rennläuferin, der Bad Ischlerin Ingrid Rumpfhuber, spricht, wird aber eines Besseren belehrt. Umsonst war das Bisherige nicht, wenn es natürlich nicht erfreulich ist, das Etappenziel nicht zu erreichen. „Aber ich bin noch jung, ich habe noch oft Möglichkeiten“, ist die heute 21jährige Ingrid überzeugt. „Wenn man nicht bei der Weltmeisterschaft dabei ist, geht auch keine Welt unter.“ 2010 könnte Salzburg Olympiaort sein. Bis dahin will sie auf jeden Fall weiter machen.
Was wichtig ist
Samstag, 25. Jänner 2003. Während des Damen-Riesentorlaufs von Marburg im Fernsehen übertragen wird, sitze ich bei der aus der Nähe von Wels stammenden Ingrid Rumpfhuber in ihrem Ischler Zuhause. Hier ist sie wegen der erzwungenen Ruhepause (Überdehnung des Seitenbandes) zwischendurch etwas sesshafter. In den Zeiten von Weltcup- und Europacup-Einsätzen ist solche Häuslichkeit sehr rar. Die Wichtigkeiten aber haben sich geändert. Während in Marburg einige österreichische Ski-Damen noch um ein Ticket zur Weltmeisterschaft kämpfen, kann Ingrid Rumpfhuber schon an das Danach denken.
Wegen meiner Fragen denkt sie auch zurück. An die Kindheit etwa, in der sie und ihr Bruder an vielen Sportarten großen Spaß hatten, sich also noch keine Skikarriere abzeichnete. Auch zählte nicht nur der Sport. Ingrid lernte zum Beispiel auch Flöte. Die Eltern förderten diese Vielseitigkeit sehr. Dann kamen erste Kinderrennen und erste Erfolge (mit zehn Jahren war sie Kinder-Landesmeisterin). Immer noch waren ihre Interessen vielseitig. Mit den zunehmenden Erfolgen kam die Frage: Was soll weiter geschehen?
Lernen und trainieren
Ingrid Rumpfhuber kam mit 14 Jahren ins Skigymnasium Stams. Von 30 im ersten Jahr blieben bis zur Matura zwölf Schülerinnen. Erfolg ist nicht nur eine Frage des Talents, sondern ganz wesentlich auch des eisernen Willens und Durchhaltens. Urlaub gab es kaum. Trainieren, lernen, trainieren, lernen ... war der Rhythmus der Jugend. Da kam es schon vor, dass sich Ingrid im Stress der Doppelbelastung wünschte: „Wenn ich doch eine normale Schülerin wäre.“
Weil sie aber „unnormal“ blieb und sich durchbiss, hat sie beides – die Matura und den Sprung in den österreichischen A-Kader – geschafft. „Mir ist um nichts Leid. Es sind super Erfahrungen. Andere Jugendliche gehen zwar viel fort. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass mir etwas abgeht.“ Heute träumt sie davon, bei einem Großereignis einmal eine Medaille zu machen. Für diesen Traum überwindet sie sich auch jetzt wieder, nach der dritten Verletzung binnen eines Jahres.
Sie fährt täglich zur Rehabilitation nach Salzburg und macht Aufbautraining. Möglichst bald, aber ohne es zu überhasten, will sie in den Weltcup zurück kommen. Ihr gehen sonst am Ende nötige Punkte ab, um im Weltcup-team zu bleiben. Die Trainer haben ihr aber versprochen, sie nicht fallen zu lassen.
Tempogefühl
Ingrid Rumpfhubers Stärken sind die Speed-Disziplinen, also Abfahrt (wo sie Europacup-Siegerin wurde) und Super-G. Es sind Disziplinen, in denen Erfahrung zählt, Disziplinen auch mit einem höheren Risiko. Denkt sie an die Gefahren? „Mit Angst kann man nicht fahren.“
Viele Skisportler haben Leiden. Kreuzschmerzen zum Beispiel. „Wenn Du Hochleistungssport betreibst, musst du damit rechnen, dass dir irgendwas weh tut“, sagt Ingrid. Das komme von einseitigen Belastungen. Keine Sportart sei davor gefeit. – Wie gesagt: Der Weg nach oben ist mit Überwindungen gepflastert. Und den Durchbruch an die Spitze schaffen nur ganz wenige. Bei der Schiweltmeisterschaft wird von den anderen nicht die Rede sein!