Frauen streiken in einer Tabakfabrik und kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen. Das war am 8. März 1857. Anlässlich des Internationalen Frauentags führte die KIZ ein Gespräch mit Mag. Dorothea Schwarzbauer-Haupt.
KIZ: Frauen haben im 21. Jahrhundert viel erreicht. Wozu braucht es noch den Frauentag?
Dorotha Schwarzbauer-Haupt: Öffentliche Strukturen sind mehrheitlich noch immer von Männern besetzt. In der Zukunftskommission für die Schulreform, bei den zahlreichen Runden Tischen gibt es keine Frau. Die Frage der Gleichstellung von Mann und Frau ist ein politisches Problem. Insofern ist es wichtig, dass der Frauentag bleibt. Oberflächlich gesehen, scheint die Gleichberechtigung schon verwirklicht zu sein. Wenn Frauen in einer Partnerschaft fix eine Rolle übernehmen, schlägt die Falle zu: Wer versorgt wen?
KIZ: Durch die Einführung des Kinderbetreuungsgeldes sollen Frauen die Wahl haben zu Hause zu bleiben oder erwerbstätig zu sein. Wie sehen Sie das?
D. Schwarzbauer-Haupt: Diese Wahlfreiheit ist eine Illusion. Wenn es eine finanzielle Notwendigkeit gibt – Männer verdienen durchschnittlich um bis zu einem Drittel mehr als Frauen, dann gibt es auch keine Wahlfreiheit. Wer zahlt die Wohnung? Wer versorgt die Kinder? Dann kommen die Zwänge.
KIZ: Welche Maßnahmen sind notwendig, um die strukturelle Gleichstellung von Männern und Frauen zu ermöglichen?
D. Schwarzbauer-Haupt: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Männer und Frauen ist z. B. der Diözese Linz als Arbeitgeberin wichtig. Wenn eine junge Mutter früher als angenommen wieder arbeiten will oder ein Mann in Karenz geht, das stellt die Personalführung vor neue Herausforderungen. Das Umdenken passiert über die Fakten. Aber nur wenn eine Maßnahme was kostet, dann bringt sie auch was. In der Diözese ist ein Umdenken passiert, der Zug fährt. Darauf bin ich sehr stolz.
KIZ: Im Jahr 2000 hat eine Studie zur Arbeitssituation in der Diözese Linz gezeigt, dass Frauen in höheren Positionen kaum vorkommen und mehrheitlich weniger als Männer verdienen. Die Diözese hat darauf reagiert ...
D. Schwarzbauer-Haupt: Die Diözese Linz hat mit 1. Jänner 2003 ein Gleichstellungsprojekt für Frauen und Männer beschlossen, das auch umgesetzt wird. Es gibt ein Mentoring-Programm und ein Qualifizierungsprogramm für Führungsnachwuchskräfte, damit Frauen sich Jobs in der Leitungsebene auch zutrauen. Sonst heißt es oft: Wir hätten Frauen für dies und das gesucht, aber leider keine gefunden. Da muss sich das Unternehmen fragen: Was brauchen Frauen, damit sie sich trauen?
KIZ: Die Kirche ist damit in Fragen der Chancengleichheit vorangeprescht. Wie wird das aufgenommen?
D. Schwarzbauer-Haupt: Es gibt zahlreiche Anfragen von außen – vom Land OÖ, Kepler Universität, VOEST. Wir werden gefragt: Wie macht ihr das?Da ist die Kirche in eine Vorreiterrolle gekippt! Hier geht in der Kirche positiv etwas weiter – gegen die resignierte Stimmung des: „Es wird eh alles weniger.“ Ich hoffe, dass das auch auf die Gesellschaft ausstrahlt.
Mag. D. Schwarzbauer-Haupt ist Vorsitzende der Frauenkommission. Das Gespräch führte Elisabeth Leitner.
Die Männer haben’s kapiert
Zur Sache
„Sollte es nicht statt eines Frauentags vielmehr einen Tag der Geschlechter-Gerechtigkeit geben?“, fragt die KIZ Josef Lugmayr, Organisationsreferent der Katholischen Männerbewegung Oberösterreichs.
Lugmayr: Es ist wichtig, dass es beides gibt: einen Frauentag und einen Männertag (heuer am 16. Oktober) – der öffentlichen Aufmerksamkeit wegen. Wenn es um die Inhalte der beiden Tage geht, fällt mir auf, dass sie sich immer mehr annähern. Die Frauen haben sich von den kämpferischen Tönen verabschiedet. Ich erlebe, dass Männer und Frauen gemeinsam Wege zu einem gerechten Zusammenleben suchen. Entscheidend ist dabei die gerechte Verteilung von Berufs- und Hausarbeit.
Wie schätzen Sie die Entwicklung auf dem Weg zur Gleichberechtigung ein?
Lugmayr: Ich möchte die Ungerechtigkeiten nicht nivellieren, die Frauen erleben, aber es ist vieles erreicht. Entscheidend ist, dass sich Männer nicht mehr unter Druck auf die Anliegen der Frauen einlassen, sondern gemeinsame Wege suchen. Darin sehe ich den wirklichen Fortschritt.