Stift Schlierbach: Wirtschaften und zur Erhaltung der Schöpfung beitragen
Ausgabe: 2004/11, SChlierbach, Stift, Käseerzeugung, P. Alfred, Meierhof,
10.03.2004
- Josef Wallner
Der alte Meierhof des Stiftes Schlierbach wird um eine Etage aufgestockt. In dem neuen in Glas ausgeführten Gebäude entsteht ein Informations-zentrum für Käse.
Eine überdimensionale Käseglocke wird es nicht werden, wehrt P. Alfred Strigl lächend ab. Auch wenn ein Glasgebäude für Käse diesen Zusammenhang nahe legt. Der Ordensmann und Geschäftsführer der Schlierbacher Glasmalerei und Käserei bezweckt mit der Millioneninvestition ganz anderes: „Wir schaffen ein Zentrum, wo wir unseren Besuchern alles rund um den Käse nahe bringen. Aber wir wollen mehr: Wir möchten die Menschen bei uns auch für die Erhaltung der Schöpfung Gottes sensibel machen.“
Achtung vor der Schöpfung
Dabei wird die Kultur und das Brauchtum in der Region ebenso Thema von Ausstellungen, Vorträgen und Workshops sein wie die Informationen über Käse: „Es geht um die Achtung vor unseren natürlichen und kulturellen Lebensräumen“, so P. Alfred. Die Schöpfung auch für die kommenden Generationen zu erhalten – das Thema bewegt den 63-jährigen Zisterzienser und Manager: „Ich werde dafür oft belächelt, aber das macht nichts.“
Impuls für Schaukäserei
Der Beginn der Produktion von Biokäse im Jahr 1999 war ebenfalls ein Mosaikstein in seiner Philosophie der Schöpfungsverantwortung. Heute produziert die Klosterkäserei 240 Tonnen Biokäse, in einigen Jahren sollen es 400 Tonnen sein. Durch die Bio-Schiene legt sich ein Brückenschlag zum Nationalpark Kalkalpen nahe, erzählt P. Alfred von seinen Plänen. Der Ordensmann verschweigt nicht, dass das Informations- und Schulungszentrum auch ein Mosaikstein in der wirtschaftlichen Philosophie des Stiftes ist. Die Schaukäserei und das Barockstift haben im Vorjahr 27.000 Meschen angezogen. „Kunst und Käse im barocken Raum“ – wie sich das Besuchsprogramm nennt – sollte mit den neuen attraktiven Räumen und dem zusätzlichem Angebot bald bis zu 40.000 Interessenten nach Schlierbach bringen.
Geburtstagsfest für Käse
Der geplante Erweiterungsbau erinnert auch an die Anfänge der Käseerzeugung in Schlierbach: Am 24. Juli 1924 gab der Konvent Br. Leonhard Kitzler die Erlaubnis mit einer Käseproduktion zu beginnen. Der Mönch brachte vom deutschen Benediktinerkloster St. Ottilien jene Käserezepturen heim, die dem „Schlierbacher Schloßkäse“ zu Grunde liegen. Zum achtzigsten Geburtstag des Starts der Käseerzeugung im Juli 2004 soll der Neubau fertig gestellt sein. Der Spatenstich ist für Ende März geplant, das Projekt kostet eine Million Euro.
Was das Stift investiert, kommt der ganzen Region zugute, ist P. Alfred überzeugt. Das zeigt sich auch am Personal der klösterlichen Betriebe. Es arbeiten doppelt so viele Menschen mit Behinderung, als das Gesetz es vorschreibt. P. Alfred: „Wenn wir das nicht tun, brauchen wir am Sonntag gar nicht zu predigen.“