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Wie intensiv kann man Kinder zum Mithelfen einteilen?

Oft wollen Kinder den Eltern ohnehin helfen. Aber was ist, wenn diese „Mithilfe“ bei Tätigkeiten, die mit den Kindern nichts zu tun haben, zu selbstverständlich wird? Aus der Serie "Ethik im Alltag" mit Michael Rosenberger, Teil 1 von 4.
Ausgabe: 2016/20
17.05.2016
- Michael Rosenberger
© Michaela Begsteiger
Fallbeispiel: Ein Bekannter führt bei mir ­zu Hause eine Reparatur aus. Das Ganze läuft auf Gegenseitigkeit, ich habe ihm auch schon einmal geholfen. Aber der Bekannte hat seinen elfjährigen Sohn mitgebracht, dem er Handgriffe aufträgt. Ich habe Zweifel, dass der Bub das freiwillig macht. Soll ich etwas sagen?

Antwort: Dass ein Kind seinem Vater bei handwerklichen Arbeiten hilft, noch dazu wenn es um unbezahlte Gefälligkeitsarbeiten unter Bekannten geht, ist für das Kind zunächst kein Schaden. Wenn der Vater achtsam mit ihm umgeht und ihm während der Arbeit das eine oder andere erklärt, wird der Junge Interesse und Ehrgeiz entwickeln und gerne helfen. Schließlich ist das auch ein Vertrauensbeweis des Vaters gegenüber seinem Sohn.

Freiwilligkeit ist entscheidend


Entscheidend ist also die Freiwilligkeit. Und die hat viel damit zu tun, wie oft der Vater seinen Sohn zur Hilfe auffordert: Wenn er jeden Tag eine oder gar mehrere Stunden mithelfen soll, wird die Lust schnell zur Last. Eine so starke Inanspruchnahme des Elfjährigen, dessen Hauptaufgabe die Schule ist, darf nicht sein. Aber ab und zu einmal eine Stunde Mitarbeit ist ebenso wenig ein Problem wie die gut dosierte Mithilfe des Elfjährigen bei der Arbeit in Haushalt und Küche. Wenn also keine starken Indizien dafür vorliegen, dass der Vater den Sohn überbeansprucht, würde ich nichts sagen.

Gefährlichkeit der Arbeiten


Ein zweites Kriterium betrifft die Gefährlichkeit der Arbeiten. Manche Reparaturen bergen ein erhöhtes Risiko – die meisten Unfälle passieren im eigenen Haushalt. Ob jemand einen Stromschlag bekommt, von der Leiter fällt oder sich an einer scharfen Kante schneidet – bei Reparaturen lauern zahlreiche Gefahren. Wenn der Vater seinem Sohn aber keine zu gefährlichen Aufgaben erteilt und wenn er ihm zudem die optimalen Sicherheitsvorkehrungen beibringt, dann lernt der Sohn frühzeitig und mit klarem Verstand, Gefahren zu erkennen und auszuschalten. Und das ist für ihn ein großer Gewinn.
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