Ausgabe: 2005/34, Kopf der Woche, Köln, Weltjugendtag, Marschalek,
25.08.2005
- Hans Baumgartner
Über 70 Stunden Fernsehen von jungen Leuten für junge Leute hat Michael Marschalek vergangene Woche produziert. Schlaf war in Köln Mangelware.
Neue Wege der medialen Aufbereitung von Glaube und Kirche haben Michael Marschalek (36) schon immer gereizt. Als Theologiestudent arbeitete er an Filmprojekten. Als die TV-Abteilung Religion vor zehn Jahren mit der „Box“ eine neue Sendeform ins Leben rief, stieß er zum ORF. Zwei Jahre später entwickelte er den Online-Auftritt für die Religionsabteilung. „Da hieß es: Wenns nicht viel kostet, probier es halt“, erinnert sich Marschalek. „Heute haben wir über eine Million Seitenzugriffe pro Monat.“
Kaum Geld gab es auch für die nächste Initiative von Michael Marschalek. Dafür aber arbeitete er erstmals mit Freiwilligen zusammen. Gemeinsam mit ihnen übertrug er im Internet das buddhistische Kalachakra aus Graz (2002). Zwei Jahre später wagte er sich mit 25 freiwilligen Jungjournalisten und Kameraleuten an die Video-Übertragung des Mitteleuropäischen Katholikentages. Zwei Blitzschläge setzten die Computer matt und brachten Marschalek trotz Mariazeller Schafskälte kräftig ins Schwitzen, ehe das Programm wie geplant ablief.
Als er für den Weltjugendtag in Köln etwas Ähnliches – und das für nur 10.000 Euro – vorschlug, nahm man ihn zunächst nicht ernst, erzählt Marschalek. Mit der Unterstützung von Michael Hertel von der Katholischen Fernseharbeit des ZDF kam die Sache dann doch ins Rollen. In einem viertägigen Crashkurs in Köln wurde die 70-köpfige internationale Fernseh-Mannschaft auf ihren Einsatz vorbereitet. Dann ging man mit Liveberichten, Reportagen und Studiogesprächen auf Sendung. Rund 4,5 Millionen Mal wurden die Seiten des Weltjugendtag.tv seiter aufgerufen. (http://religion.orf.at)