Feuerprobe: Beim Weltjugendtag absolvierte Benedikt souverän seine erste Auslandsreise
Ausgabe: 2005/34, Beifall für den stillen Papst, Auslandsreise, Papst, Benedikt, Teitelbaum,
25.08.2005
- Christian Ortner
Dass Papst Benedikt XVI. kein „Medienstar“ ist wie sein Vorgänger, wurde beim Weltjugendtag deutlich. Dennoch war der Pontifex bei seinem ersten Auslandsbesuch der vielumjubelte Mittelpunkt.
„Für Benedikt XVI. ist der Weltjugendtag in Köln eine Qual“, sagte der italienische Journalist und Vatikan-Spezialist Vittorio Messori schon vor dessen Reise nach Köln. „Massen und Chöre sind nichts für ihn.“ Tatsächlich ist der Stil Joseph Ratzingers ein anderer als jener von Karol Wojtyla: Bescheiden, fast schüchtern wirkte er bei seinen Auftritten, deren Wirkung aber dennoch von großer Bedeutung war.
So etwa der erstmalige Besuch einer Synagoge, bei der Benedikt XVI. das Gemeinsame von Juden- und Christentum herausstrich. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sieht darin ein „sehr hoffnungsvolles Zeichen, dass wir wirklich auf einem Weg der Verständigung zwischen den Religionen sind“. Neuland betrat der Papst bei einem Treffen mit Vertretern des Islam. Er äußerte sich besorgt über den wachsenden Terrorismus und warnte davor, Religion als Rechtfertigung für Hass, Intoleranz und Gewalt zu missbrauchen. Beim Zusammentreffen mit den Pilgern, etwa bei der Schifffahrt auf dem Rhein oder auf dem Marienfeld, rief Benedikt XVI. die jungen Gläubigen zur Christusnachfolge, Eucharistie, Heiligung des Sonntags und zu Nächstenliebe und Verzeihen auf. Nicht Ideologien könnten die Welt retten, sondern nur die Hinwendung zu Gott, „der Garant unserer Freiheit, der Garant des wirklich Guten und Wahren ist.“