Seit dem tragischen Tod von Frère Roger Schutz ist Bruder Alois Löser (51) der neue Prior der Gemeinschaft von Taizé.
Unmittelbar nachdem er vom Tod seines Priors Roger Schutz erfahren hatte, ist Bruder Alois vom Weltjugendtag in Köln nach Taizé zurückgekehrt. Ohne großes Zeremoniell übernahm er am nächsten Tag beim Gebet den Platz seines Vorgängers ein, der ihn bereits vor acht Jahren – sicherlich nicht im Alleingang – als seinen Nachfolger bestimmt hat. Seit 17. August 2005 trägt Bruder Alois auch während des Tages das weiße Ordensgewand, das er bisher nur zum Gebet angelegt hatte. Und wie Frère Roger bleibt er am Ende des Abendgebetes in der Kirche, um Pilger zu segnen und mit ihnen zu sprechen.
Zum ersten Mal kam Alois Löser als 17-Jähriger mit einer Gruppe Jugendlicher aus der Pfarre St. Nikolaus (Stuttgart) nach Taizé. Reinhard Brandstetter, Pfarrassistent in Kleinraming, lernte ihn damals kennen. „Er hat ebenso begeistert Fußball wie Gitarre gespielt“, erinnert er sich. Zwei Jahre später (1973) trat Alois der Brüdergemeinschaft von Taizé bei. Er studierte in Lyon Theologie, ließ sich aber nicht zum Priester weihen. Er wollte als Katholik seinen evangelischen Mitbrüdern ganz Bruder sein – und nicht mehr.
Brandstetter hat ihn in den vergangenen Jahrzehnten als einen ganz tiefen spirituellen Menschen schätzen gelernt. „Seine jugendliche Begeisterungsfähigkeit war geblieben, aber sie war erfüllt von einem innigen Gottvertrauen.“ „Freude, Einfachheit und Barmherzigkeit“ – so charakterisieren viele den Glauben von Bruder Alois. Seine ganze Liebe gilt den jungen Menschen auf der Suche. Deshalb hat er auch oft Gruppen in den exkommunistischen Ländern besucht. Und er war für die Vorbereitung der großen Taizé-Jugendtreffen in Europa verantwortlich.
„Heute fragen junge Leute: Was heißt glauben überhaupt? In Taizé entdecken sie: Ich darf auch der Suche sein, und niemand verlangt von mir, dass sofort alles klar ist.“Frère Alois, Prior von Taizé