Es ist ein Totschlag-Argument, zieht aber häufig: Da Frauen in der katholischen Kirche nicht Priesterinnen werden können, ist die Kirche frauenfeindlich. Jede weitere Diskussion erübrigt sich, ist vielfach zu hören. Gerade das Theater um unsere Bundeshymne lädt ein, genauer zu schauen. Wer ein neues Gebets- und Gesangsbuch „Gotteslob“ aufschlägt, merkt, dass viele Liedtexte geschlechtergerecht geändert wurden. Ein Beispiel: „Lasst uns loben, Brüder loben“ findet man nun ebensowenig wie jene Stelle, die alle zu Söhnen Gottes macht, also auch Frauen. Kleine Eingriffe nur, und schon lässt sich das Lied beim Gemeindegottesdienst wieder singen: „Brüder“ wird durch „freudig“ ersetzt, aus den Söhnen werden Kinder. Beim neuen Gotteslob, das in Arbeit ist, wird die geschlechtergerechte Sprache von vornherein Kriterium für die Gebet- und Liedauswahl sein. Natürlich deckt der Versuch, Lieder für Männer und Frauen in gleicher Weise singbar zu machen, nicht die Spannung im Verhältnis von Kirche und Frauen zu. Aber die Aufregung um die Bundeshymne zeigt, dass die Kirche in manchen Bereichen auch weiter ist als die ach so aufgeklärte öffentliche Meinung.