Eine Familiengeschichte, wie es sie nach 1944/1945 tausendfach gab und gibt: Die Großeltern- und Elterngeneration hat die Heimat verlassen müssen; die Kinder sind fern der familiären Wurzeln in Österreich aufgewachsen und hier verwurzelt.
Dennoch gibt es die Sehnsucht, der Kindheit der Eltern nachzugehen: Wie war es dort, wie war es damals? Viele dieser Kinder haben sich mit ihren Eltern und Großeltern in die Länder auf den Weg gemacht, die den Eltern Heimat waren. Annemarie Steiner aus Fornach hat zudem zum Achtziger ihrer Mutter, Anna Fritsch, die in Mondsee lebt, ein Buch über Land und Leben „Damals in Kleinbetschkerek“ geschrieben. Sie erzählt darin, was sie von ihrer Mutter über die Zeit bis 1944 im rumänischen Banat erfahren hat sowie über die Flucht und wie es dann weitergegangen ist.
Blick zurück ohne Zorn. Sie mussten das meiste zurücklassen, und dennoch spürt Anna Fritsch keinen Zorn, wenn sie daran denkt, wie alles gekommen ist. Kurz nach Allerheiligen des Jahres 1944 kamen sie nach Ebersau in Schildorn auf einen Bauernhof. Die gute Aufnahme und die Herzlichkeit, mit der die Flüchtlinge hier mitleben und mitarbeiten konnten, ließen sie heimisch werden.
Großer Einfluss der Kirche. Annemarie Steiners Oma, seit 1940 Witwe, floh 1944 mit ihren vier Töchtern. Anna Müller, die später den Sudetendeutschen Franz Fritsch geheiratet hat, der ebenfalls seine erste Heimat verloren hat, war die zweitälteste dieser Töchter. Der Pfarrer hatte zur Flucht geraten und dadurch viele Menschen vor dem Tod bewahrt. Woanders riet ein Pfarrer zum Bleiben. – 600 sind ums Leben gekommen.
Die Kirchenglocken läuten. „Die Oma hat nie gejammert“, erzählt Annemarie Steiner. „Es hat schon die Wehmut darüber gegeben, dass der gute Boden, das fruchtbare Land so verkommen ist.“ Aber an Eigentumsrückgaben dachte die Familie nie. Durch die Arbeit an der Familienchronik und der Dorfgeschichte hat Annemarie Steiner viele Kontakte geknüpft. Die Kleinbetschkereker sind untereinander sehr verbunden. Auch zu den Bewohnern im rumänischen Dorf gibt es gute Kontakte. Der Zusammenhalt ist so stark, dass heute noch in Kleinbetschkerek die Glocken läuten, wenn einstige Kleinbetschkereker, wie 1982 Frau Steiners Oma, gestorben ist.
Ernst Gansinger
Buch
Etwas mitgeben
„So sei dieses Buch allen Eltern und Großeltern gewidmet, die ihren Kindern und Enkelkindern etwas aus ihrem Leben mitgeben wollen...“ So schreibt Annemarie Steiner in ihrem Vorwort zum Buch „Damals in Kleinbetschkerek“. Das Buch hat 168 Seiten.