Ein ganz normaler Tag. Der Igel verbrachte einen ganz normalen Tag. Er ging auf den Markt, kaufte sich einen Korb Schnecken, ging wieder nach Hause. Er plauderte mit seinem Nachbarn, dem Biber, über das Wetter, dann aß er seine Schnecken, las noch ein wenig und ging ins Bett. In der Nacht träumte er, er sei ein Löwe. Als Löwe jagte er durch den Wald und über eine wilde Wiese. Er brüllte, er schüttelte seine Mähne und scheuchte alles auf die Bäume, bis er müde wurde. Dann ging er zu seinem Freund, dem Nashorn, wo er fraß und trank. Erst spät in der Nacht trottete er zurück nach Hause. Er legte sich ins Bett und träumte, er sei ein Igel, der auf den Markt ging, sich einen Korb Schnecken kaufte und wieder nach Hause kam. Als Igel redete er mit dem Biber über das Wetter, bevor er seine Schnecken aß, noch ein wenig las und schließlich ins Bett ging. Dort hatte er einen Traum: Er war ein Löwe ... und kehrte abends beim Nashorn ein, wo er aß und trank. Als er an seinem Wein nippte, fragte er sich: „Bin ich nun eigentlich ein Igel oder ein Löwe?“
Was ich geträumt habe. Ähnlich erging es auch dem Igel. Beide schliefen und träumten, sie seien jeweils der andere. Eines Tages entdeckte der Igel aber eine Höhle. Im Bett lag der Löwe und schnarchte. „He, aufstehen!!“, schrie der Igel. Der Löwe riss die Augen auf. Er sah den Igel vor seinem Bett stehen. „Du kannst dir nicht vorstellen, was ich geträumt habe!“, rief er und schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Doch“, grinste der Igel. „Kann ich.“
- Nach: Jens Rassmus, Der karierte Käfer, Residenz Verlag.