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Das Cello rettete ihr Leben

Als einzige Cellistin im Frauenorchester von Auschwitz-Birkenau.
Ausgabe: 2008/24, Cello, Cellistin, Frauenorchester, Auschwitz-Birkenau, Kriegsdenkmal, Lasker-Wallfisch, KZ, Leben
11.06.2008
- Elisabeth Leitner


Heute bezeichnet sie sich selbst als „eine Art Kriegsdenkmal auf Beinen“. Lange Zeit hat sie ihre Geschichte verschwiegen. Erst spät schrieb Anita Lasker-Wallfisch die Erlebnisse im KZ Auschwitz auf. „Ihr sollt die Wahrheit erben“ – so lautet der Titel des Buches, das sie nun auf ihren Vortragsreisen begleitet.

„Wir Auschwitz-Überlebenden werden nicht mehr lange leben und es wird bald niemand mehr da sein, der die unsagbare Grausamkeit von damals authentisch erzählen kann“, sagt Anita Lasker-Wallfisch. Die Musikerin und Autorin will mit ihrer Lebensgeschichte eine Mahnung sein und auch mit jenen in Dialog treten, die später die Zukunft gestalten: die Jugend. Deshalb ist sie seit vielen Jahren auf Vortragsreisen, bevorzugt in Schulen. Ihre nächste Station führt sie ins Pfarrheim Wels- St. Josef. Dort wird sie auf Einladung des Katholischen Bildungswerkes einen Vortrag halten. Sich mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, ist der Pfarre wichtig.

Musik als Zwangsarbeit. Lasker-Wallfisch hat erst später ihre eigene Geschichte veröffentlicht. Ihre Kinder waren bereits erwachsen, als sie sich zu diesem Schritt entschloss.
Die Cellistin ist 1925 in Breslau geboren. Sie ist eine von drei Töchtern jüdischer Eltern. 1942 werden ihre Eltern deportiert und ermordert. Die älteste Schwester kann sich in England in Sicherheit bringen, die zwei jüngeren Töchter kommen ins Waisenhaus. Sie versuchen zu fliehen, werden erwischt und mit einem Sonderzug ins KZ Auschwitz gebracht. Das bewahrt sie bei der Ankunft vemutlich vor der Massenselektion und der Ermorderung in der Gaskammer.
Dass Lasker-Wallfisch Cello spielen kann, rettet ihr im KZ das Leben. Als einzige Cellistin ist sie unentbehrlich. Sie wird ins Frauenorchester von Auschwitz aufgenommen.

Bei Laune halten. „Wir gaben Konzerte, ob man es glaubt oder nicht, an Sonntagen, manchmal im Freien. Außerdem mussten wir bereit sein, etwas zu spielen, wenn SS-Leute in unseren Block kamen. Sie kamen meist, um sich von den ,Strapazen’ zu erholen, bei denen sie entschieden, wer leben oder sterben sollte. Bei einer solchen Gelegenheit spielte ich die Träumerei von Schumann für Dr. Mengele, den berüchtigten Lagerarzt“, erzählt Anita Lasker-Wallfisch.
Die SS-Leute bei Laune zu halten, war eine der Hauptaufgaben von KZ-Orchestern. Außerdem gehörte es zum „guten Ton“, sich ein Ensemble zu leisten. Anita Lasker-Wallfisch ist heute eine der letzten Überlebenden des Frauenorchesters von Auschwitz.

- Vortrag mit Anita Lasker-Wallfisch, 24. Juni, 19 Uhr, Pfarrheim Wels-St. Josef, Haidlweg 58, 4600 Wels. Info-Tel. 07242/43306.
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