Die Situation der Menschen bewegt Jesus tief. Sie sind müde und erschöpft. Sie leiden an körperlichen Beeinträchtigungen und haben Sorgen und seelische Nöte. In dieser Situation suchen sie Halt bei Predigern und Heilern, so auch bei Jesus. Leider waren die etablierten religiösen Stellen, die von Schriftgelehrten und Pharisäern repräsentiert wurden, für viele keine Hilfe in ihrer Not. Diese Situation hat sich nach 2000 Jahren keineswegs verändert. Es gibt nach wie vor eine Menge von Gottesdiensten und religiösen Bräuchen, von Predigern und Heilungsangeboten. Die Botschaft Jesu ist dabei eine unter vielen und trifft offenbar nur wenige in ihrer alltäglichen Bedürftigkeit. Als Jünger Jesu wird es auch uns zutiefst bewegen, wie es um eine Vielzahl von Menschen steht. Bitten wir also den Herrn der Ernte, wie es im Evangelium heißt, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Der Herr der Ernte ist Gott allein. Ihm obliegt die Auswahl seiner Gesandten, wir können lediglich darum bitten.
Jesus sendet schon zu Lebzeiten seine Jünger aus, um die Botschaft vom Himmelreich zu verkünden. Seine Jünger sind seine Gesandten, und Gesandte galten in der damaligen Zeit gleich viel wie der Sender. Es ist der erste Missionsauftrag und auch die Ausstattung mit Vollmacht, die wir meist erst mit der nach-österlichen Geistsendung verbinden. Hat der Autor des Matthäusevangeliums hier auf die Aufforderung zur Umkehr vergessen? Hat Jesus auf diesen Teil der Predigt und Mission vergessen? Umsonst haben wir empfangen, umsonst sollen wir geben. Der Ruf zur Umkehr ist nicht immer und überall anzubringen. Wenn wir Jesu Jünger sind, sind wir dazu berufen, die Menschen zu heilen und ihnen das Himmelreich zu verkünden.
Zum Weiterdenken
Wie erfüllst du deinen Missionsauftrag? Wer sind die Menschen, die deine heilenden Worte brauchen? Wir brauchen uns nicht auf die Heiden stürzen, denn es gibt genug Christen, die Trost und Heilung brauchen.
Martin SchachingerPfarrassistent, Leiter des Aufbaus der neuen Seelsorgestelle Linz solarCity, Gemeindeberater und Supervisor; verheiratet und Vater von Nathalie und Niklas. Den Autor erreichen Sie unter- sonntag@kirchenzeitung.at