Männer im Nadelstreif, löchrige Leiberl, Markenschuhe, namenlose Patschen, gepflegter Rasen, bucklige Wiese, dicke Konten, Hungerlöhne – die Gegensätze könnten nicht größer sein. Und doch, Fußball eint sie alle, die Spieler-Millionäre auf dem Rasen und in den Clubs und die, die im Fußball ihre einzige Chance sehen, aus ihrer tristen Umgebung ausbrechen. Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft hat unter anderem der ORF neben wunderschöne (süd-)afrikanische Landschaftsbilder, wortgewaltige Startrainer, gut gebriefte Offizielle, einladende Stadien auch tristere gestellt: Menschen wuseln über löchrige Straßen, überbeladene Lastwagen suchen sich schwankend ihren Weg, Eselskarren scheinen die Zeit anzuhalten, Staub und Hitze kriechen aus dem Bildschirm – Sialkot im pakistanischen Nordwesten ist die heimliche Fußballhauptstadt. 50.000 Arbeiter/innen pro Jahr nähen rund 40 Millionen Bälle von Hand. Eine kraftraubende, mühselige Arbeit, die doch bescheidenen Wohlstand verspricht. Für pakistanische Verhältnisse. Rund 40 Cent für einen Ball, der später in den europäischen Sportgeschäften zwischen 40 und 100 Euro kosten wird und den chinesische Arbeiter mittlerweile noch billiger fertigen. Welch Gegensatz zum Weltfußballverband FIFA, der im Vorjahr rund 2,6 Milliarden Euro eingenommen haben soll, welch „gutes“ Beispiel für die vielgepriesene Globalisierung, das da der dok.film „Der Ball ist rund“ Anfang Juni eindrücklich einfing. Eindrucksvoll auch die Bilder aus Manenberg, einem Township bei Kapstadt, die Reporterin Marion Mayer-Hohdal dem „Weltjournal“ (9. Juni) lieferte. Eindrucksvoll, weil sie am Beispiel zweier Jugendlicher den Traum einfangen, den viele junge schwarze Südafrikaner träumen: einmal als Fußball-Profi Geld zu verdienen, rauszukommen aus einem von Bandenkriegen, Drogen und Mord bedrohten Leben. Zwei Filme, die im Toooooooor-Jubel der nächsten Wochen nicht einmal mehr erinnert werden, die aber zu jenen notwendigen gehören, die unser sattes Bild von Welt immer wieder ein bisschen durcheinanderbeuteln.
Christiane Luftensteiner-Höllriegl, Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz