Ausgabe: 2010/24, Privatschulen, Zukunft, wichtig, Prinz, Mayr, Schule
18.06.2010
Privatschulen – noch zeitgemäß? Niemand in Oberösterreich denkt dran, dass kirchliche Privatschulen abgeschafft werden sollten, versicherte Landeshauptmann Josef Pühringer letzten Freitag. Die Versicherung war notwendig, weil im Zuge der in Bewegung geratenen Diskussion um die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen nach entsprechenden Aussagen von Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer eine Diskussion darüber entbrannt ist. Dieser versicherte zwar am 11. Juni bei der 60-Jahr-Feier des Katholischen Elternverbandes, für die Erhaltung der Privatschulen zu sein. Die katholische Kirche ist mit 55 Schulen aus allen Zweigen hier der größte Anbieter.Die KirchenZeitung bringt zwei Positionen zur Frage: Haben Privatschulen Zukunft?
Ja. Sie bereichern die Schullandschaft
Privatschulen wird es so lange geben, so lange sich die Gesellschaft zu Vielfalt und Individualität in der Bildung bekennt. Damit soll nicht gesagt sein, dass es in öffentlichen Schulen nicht auch Vielfalt und Individualität gibt. Aber die Privatschulen – sowohl die konfessionellen als auch die anderen – tragen in einem ganz besonderen Ausmaß zu einer qualitätsvollen Buntheit der österreichischen Bildungslandschaft bei. Vielleicht sind sie ein wenig „Stachel im Fleisch“ der Schullandschaft, da sie als „andere“ Schulen immer wieder neue Akzente in verschiedener Hinsicht setzen können. Bei den katholischen Privatschulen geschieht Wissensvermittlung im Kontext christlicher Werte und abendländischer Kultur. Das allein schon zeigt auf, wie wichtig diese Schulen sind – denn was braucht unsere Gesellschaft dringender als Bildungseinrichtungen, die sich gerade auch angesichts der gegenwärtigen Veränderungen um Sinn- und Werterziehung kümmern?!
Herausfordernde Zukunft. Die katholischen Schulen gehen einer herausfordernden Zukunft entgegen: Wie jede andere Schule stehen sie in erster Linie vor den pädagogischen Herausforderungen des Alltags; darüber hinaus werden sie künftig eine zunehmend kirchenfernere Schüler- und Elternschaft für die christlich-abendländischen Werte gewinnen müssen, und auch die – bereits angenommene – Herausforderung der Aufnahme von nicht-christlichen Kindern und Jugendlichen wird großen Einsatz erfordern. Und schließlich gilt es, den richtigen Platz in der sich verändernden Schullandschaft zu finden: Als das differenzierte Schulsystem weithin akzeptiert war, nahmen die Katholischen Schulen einen Platz in den ersten Rängen ein. Das sollte auch weiterhin so bleiben: Selbst wenn man die AHS-Unterstufe abschaffen würde – was ich für einen schweren Fehler hielte –, könnten viele katholische Schulen weiterhin höchste Qualität bieten, wie wir bei den Volksschulen, die im Grunde ja Gesamtschulen sind, heute schon sehen. In Summe bin ich sehr zuversichtlich, dass das Recht auf freie Schulwahl auch in Hinkunft gelten wird und unsere Privatschulen weiterhin zur Vielfalt in unserem Bildungsland beitragen werden.
Mag. Dr. Harald Prinz, Sprecher der Katholischen Privatschulen in Oberösterreich.
„Jein“, weil zwar wichtig, aber zu elitär
Privatschulen werden von konservativen Kräften oft als wichtiger Beitrag für mehr Differenziertheit und Vielfalt im Schulwesen genannt. Ein Widerspruch in sich, wenn man sich die Realität in Österreich ansieht. Das österreichische Schulsystem ist schon jetzt eines des selektivsten in Europa. Die frühe Selektion führt dazu, dass Bildung in Österreich vererbt wird. Kinder aus Haushalten mit niedrigerem Bildungsniveau haben so gut wie keine Chance auf einen Hochschulabschluss. Experten und Expertinnen raten deshalb schon lange zum Modell Gesamtschule, um der sozialen Selektion, die derzeit vorherrscht, entgegenzuwirken. Auch für Menschen mit Migrationshintergrund bietet die Gesamtschule wesentlich mehr Chancen als das jetzige System.
Privatschulen leisten zwar einen wichtigen Beitrag im oberösterreichischen Schulwesen, aber für wen? Das ist die zentrale Frage. Privatschulen sind nur für einen Bruchteil der Bevölkerung eine leistbare Alternative zu den öffentlichen Bildungseinrichtungen. Schulgeld und selektive Aufnahmekriterien verhindern schon zu Beginn, dass in Privatschulen die gesellschaftliche Vielfalt widergespiegelt wird. Privatschulen werden so zu Bildungseinrichtungen der Oberschicht. Für das gesellschaftliche Miteinander ist es aber wichtig, schon in jungen Jahren voneinander zu lernen. Durch ein gemeinsames Miteinander der Kinder können Vorurteile schon früh abgebaut werden. Dies ist ein wichtiger Baustein für eine tolerante, vielfältige Gesellschaft. Deshalb müssen Privatschulen, egal von welchem Rechtsträger, in die rechtliche Verpflichtung genommen werden, die gesellschaftliche Vielfalt in den Schulen abzubilden bzw. dies auch voranzutreiben. Der Anteil der Kinder aus sozial schwächeren Familien muss in Privatschulen genau so hoch sein wie in staatlichen. Gleiches gilt für die durchschnittliche Anzahl von Kindern mit Migrationshintergrund. Die Stadt Linz hat sich in den letzten Jahrzehnten für einen breiten öffentlichen Bildungsansatz eingesetzt. Außerdem wurden durch die Investitionen in den Schulbereich wichtige Beiträge für die Zukunft der Kinder geleistet.
Stadtrat Johann Mayr, Stadtrat von Linz, Vorsitzender des Finanz-, Bildungs- und Bauausschusses der Stadt Linz.