Seit über vier Jahren wurde in Oberösterreich kein großes Windrad mehr errichtet. Im und am Kobernaußerwald gibt es zwar zwei Windpark-Projekte – Silventus und Munderfing –, doch die Stimmung in der Bevölkerung ist aufgeheizt. Landesrat Rudi Anschober aber setzt auf den Ausbau der Windenergie – aus Klimagründen.
Die Befürworter sagen: Windenergie schützt das Klima, denn sie verringert die CO2-Belastung. Windkraft macht zudem wirtschaftlich Sinn. Die Gegner der 13 im Kobernaußer Wald geplanten Windräder argumentieren: Die Landschaft wird verschandelt. Windräder sind außerdem unwirtschaftlich.
Nachhaltigkeit. Ein großes Windrad muss zumindest 800 Meter von bewohnten Gebäuden entfernt sein. Es steht auf einem Sockel von 16 mal 16 Metern, ist 100 Meter hoch, die Rotorblätter haben 80 Meter Durchmesser. Um eines zu errichten, müssen 1500 m2 gerodet werden; für die geplanten 13 Anlagen im Kobernaußerwald (je zwei Megawatt Leistung) sind das zwei Hektar Wald. Windräder sind Energie-Investitionen, an denen Bürger beteiligt werden und bei denen erwirtschaftetes Geld nachhaltig eingesetzt wird. Sie können auch rückgebaut und wieder entfernt werden.
Geschmacks-Diskussion. Mag. Elfi Salletmaier, Geschäftsführerin der Energiewerkstatt Munderfing, die viele Windkraftanlagen im In- und Ausland projektiert und geplant hat, weiß um die erbitterte Gegnerschaft mancher. Deren häufigstes Argument ist die Zerstörung des Landschaftsbildes, denn der bis zu 30 Meter hohe Wald wird von Windrädern mit 100 Metern Nabenhöhe überragt. Es gibt aber auch die andere Sicht: Menschen begeistert die mächtige Technik und die so unmittelbar erlebbare Energie-Erzeugun. Über Geschmack lässt sich immer gut streiten. Die entscheidenden Fragen sind aber Öko-Fragen. Da kann die Windenergie beeindrucken (die KirchenZeitung hat 2006 daher auch Andreas Reichl, den Initiator des Sternwald Windparks, beispielhaft mit dem Solidaritätspreis ausgezeichnet).
Gemeinden sind am Zug. Jetzt sind die Gemeinden am Zug, in deren Gebiet die Windräder gebaut werden sollen. Lohnsburg hat schon die Flächen gewidmet. Dann, wenn auch Pöndorf und St. Johann am Wald die Flächen gewidmet haben, ist auf Landesebene die Umweltverträglichkeit zu entscheiden. Landesrat Anschober appellierte, im Sinne des Klimaschutzes und des ausgewogenen Mixes an erneuerbaren Energieträgern, den kleinkarierten Parteienstreit um Windräder hintanzuhalten. Umweltverträgliche Windenergieprojekte sollten in Oberösterreich nicht blockiert werden. Sie brauchen Rückenwind. Er nennt den Windpark umweltverträglich. „Wir können nicht nur Atomkraft und Klimazerstörung kritisieren, wir müssen handeln“, sagt der Umwelt-Landesrat. Zur Sache
Windenergie
Europäische Union. 2009 war die Windenergie in der EU Nummer 1 beim Ausbau der Energieerzeugung – 39 Prozent der neu errichteten Kraftwerksleistung kommt aus Windkraftanlagen. 4,8 Prozent des Strombedarfs der EU liefern Windkraftanlagen. Das vermeidet jährlich 120 Millionen Tonnen CO2, soviel, als würden keine Deutschen und Österreicher autofahren.
Österreich. In Österreich erzeugen 617 Windräder knapp 1000 Megawatt, das sind drei Prozent des Stromverbrauchs oder 18 Prozent des Stromverbrauchsaller österreichischen Haushalte.
Oberösterreich. So sehr Oberösterreich die Nase beim Thema Energiewende vorne hat, so sehr hinkt das Land bei der Windenergie nach. Hierzulande sind 23 Anlagen im Netz. In Niederösterreich sind es 345 Anlagen.
Wind und Wald. Die Energiewerkstatt Munderfing kennt durch die jahrelangen Windmessungen die günstigsten Standorte für Windräder. Über großen Waldflächen geht der Wind kräftig und gleichmäßig, „günstig für Windkraftanlagen“, sagt Elfi Salletmaier. An guten Standorten in Österreich erreicht der Wind Nordsee-Qualität, 2. Reihe.