Das Publikumsinteresse war groß, der Klostersaal überfüllt. – Nach Traunkirchen lockten am 18. Juni hochkarätige Referenten. Das Katholische Bildungswerk hat zur Diskussion über die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise eingeladen.
Einer der Referenten war der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, Univ.Prof. Dr. Ewald Nowotny. Er verteidigte die Hilfsmaßnahmen für Griechenland als Hilfe zur Selbsthilfe. Die EU werde daraus nicht nachhaltig Schaden erleiden, wie es keinen Schaden für die USA gab, als diese nach dem Krieg massiv europäische Länder unterstützten.
Langsame Erholung. Sorgen bereitet Nowotny die krisenbedingte Staatsverschuldung. Er beruhigte aber: Im Euro-Raum werde kein Staat bankrott gehen und Europa werde sich langsam erholen. Eine Entwicklung wie in Japan, wo in einem „verlorenen Jahrzehnt“ Deflation, niedrige Wachstumsraten und Verarmung vieler Menschen Arm in Arm gingen, müsse vermieden werden.
Vertrauenskrise. DDr. Michael Tojner von Global Equity Partners, der zweite Referent, argumentierte viel pessimistischer. Das Kernproblem sei die allgemeine Vertrauenskrise. Er meint, Europa werde sich nicht rasch erholen, eher Asien und die USA. Die notwendige Struktur- und Verwaltungsreform komme nicht, es werde nicht wirklich gespart, denn Österreich habe ein Föderalismus-Problem.
Soziale Aspekte sehen. Der Dritte im Bunde war der Leiter des Sozialreferates der Diözese Linz, DDr. Severin Renoldner. Er warnte davor, bei den finanzpolitischen Überlegungen die ethischen und sozialen Aspekte außer Acht zu lassen. Einer restriktiven Beschäftigungspolitik hielt er entgegen, dass die in Österreich gemachten Überstunden 200.000 Vollarbeitsplätzen entsprechen. Dem Vorschlag Trojners, die Menschen sollten wegen der gestiegenen Lebenserwartung bis zum Alter von 70 Jahren arbeiten, widersprach Renoldner. Es sei heute schon schwer, Menschen, die älter als 50 Jahre sind, auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln.