Unter seiner Ägide entstand der Salzburger Dom, er gründete 18 Klöster – als erstes Mattsee, 760 nach Christus – 777 auch Kremsmünster. Der „Tassilokelch“ ist der wohl berühmteste Kelch Österreichs. Das Schicksal von Tassilo III., Herzog von Bayern, gibt Stoff für Legenden. Es ist die Geschichte eines Unterlegenen, der sich in die einfache Frömmigkeit zurückzog. 1250 Jahre nach der Stiftsgründung bekam er am letzten Sonntag, 27. Juni, ein Denkmal in Mattsee. Vertreter aller 18 Tassilo-Gründungsorte waren dazu eingeladen. „Tassilo hat uns in der Bewältigung seines Schicksals noch immer etwas zu sagen. Man kann einem Menschen die Würde nicht nehmen, selbst nach dem Sturz in die Ohnmacht“, sagt Stiftspropst Vinzenz Baldemair. „Auch bei der Kirche komme es bei aller Wertschätzung ihrer Kultur und Tradition nicht auf äußeren Stil und Prunk an – hier könnte manches abgelegt werden“, meint er. Nicht im Besitzen und Beherrschen, sondern im Dienen und Eintreten für die Menschenrechte liege der Sinn. Tassilo, geboren 741, regierte Bayern 40 Jahre lang. Ein großes Land, zu dem das heutige Oberösterreich, Salzburg, Nord- und Südtirol, Kärnten und die Steiermark gehörten. Die Bayern waren aber formal der Oberhoheit der fränkischen Karolinger unterstellt. Karl der Große war sein Vetter. Die 18 unter ihm gegründeten Klöster dienten der Christianisierung des Ostens und dem Landesausbau. Selbst war Tassilo nie König, wurde aber nach der Heirat mit der italienischen Königstochter Liutpirc 769 als „rex lombardi“ bezeichnet. Der 774 geweihte Salzburger Dom wird auch als Krönungskirche gedeutet.
Konflikt mit Karl dem Großen. „Als König der Franken musste sich Karl der Große durchsetzen“, sagt der Wiener Professor Herwig Wolfram. „Interessant ist, dass Tassilo schon damals eine politische Alternative gegenüber der Zentrale bot. Wie die Sache ausging ist ein unglaublicher Krimi.“ Als Karl Tassilos Familie gefangen nahm, musste sich dieser 787 unterwerfen. In einem Prozess wurde ihm vorgeworfen, sich von einem Franken-Feldzug entfernt und mit dem Feind paktiert zu haben. Der Verrat wurde ihm angedichtet. Karl ließ ihn zum Tod verurteilen, die Strafe wurde in „Klostertod“ umgewandelt: für Tassilo, seine Frau und alle vier Kinder. Um 800 dürfte er gestorben sein.