Hexe? Nein. Prinzessin? Natürlich. In diese Rolle träumen sich kleine Mädchen gerne. Goldlöckchen, rauschende Roben, lichterglänzende Säle, von Schimmeln gezogene Kutschen. Kleinmädchenträume werden selten wahr – weil’s auch von allem viel zu wenig gibt: Schlösser, Kutschen, Prinzen … Frau muss sich dann eben bescheiden, darf aber – das gute alte Märchenbuch hat ausgedient, es lebe die Kamera – ab und zu via Bildschirm teilhaben, wenn eine leibhaftige Prinzessin ihr Glück öffentlich macht. Kronprinzessin Viktoria von Schweden hat es vor kurzem getan und das schwedische Fernsehen hat sie dabei nach Kräften unterstützt: Mit dem angeblich größten Aufgebot an Mitarbeitern und Technik in seiner Geschichte hat es dem bürgerlichen Fernsehvolk eine wirkliche Traumhochzeit ins Haus geliefert. Allein beim ORF saßen zu Beginn der Live-Übertragung um 14.00 Uhr 680.000 Zuschauer Spalier. Viele von ihnen taten das schon stundenlang, denn bereits ab 9.00 Uhr konnte man sich einstimmen: Das Brautpaar wurde vorgestellt, die Bernadottes porträtiert, Adelshochzeiten der letzten Jahre kunterbunt wiederholt, von diversen Plätzen Stockholms rapportiert. Und im Studio saßen zunächst zwei, dann drei Damen, denen die Worte fehlten. Selten noch wurde ein wahr gewordenes Märchen mit so wenig Engagement kommentiert, selten so Hanebüchenes geplaudert, selten mit so viel Unkenntnis dem Defilee der Geladenen auf dem blauen Teppich zugeschaut. Königin Rania von Jordanien, nein, doch nicht. Die Königinnen Sofia und Beatrix, ohne Männer? – was im Fall der niederländischen Königin ja wirklich besonders erstaunlich ist. Ein bisserl verpönte „Goldenes Blatt“-Lektüre hätte zumindest die größten Lücken schließen können, wenn’s schon im ORF-Archiv keine entsprechenden Informationen gibt. Dafür weiß man jetzt dank ungezählter Wiederholungen garantiert, dass der frisch Angetraute der Ex-Fitnesstrainer der strahlenden Kronprinzessin ist.
Christiane Luftensteiner-Höllrigl Medienreferat der Bischofskonferenz