Pakistan ist in den Krieg im Nachbarstaat Afghanistan mehr verstrickt, als ihm lieb ist. Vor allem Gewalt und radikaler Islam schwappen über die Grenzen. P. Günther Ecklbauer OMI, Pfarrer in Pakistan, kennt auch ein anderes Gesicht des Landes.
Die aktuelle Situation in Pakistan, einem der bevölkerungsreichsten muslimischen Länder der Erde, lässt sich nicht auf einen Nenner bringen. Das ist die Grundbotschaft des aus St. Marien bei Linz stammenden P. Günther Ecklbauer OMI. Der Ordenspriester lebt seit 2006 in Pakistan und erfährt hautnah die gegensätzlichen Entwicklungen. Christen sind in dem Land Menschen zweiter Klasse. Daran lässt sich nicht rütteln, und doch zeichnet sich im Alltagsleben in der wirtschaftlich fortschrittlichen Provinz Punjab, in der P. Günther lebt, eine sichtbare Veränderung ab. Vor wenigen Jahren hätten muslimische Kinder in der Schule noch nicht aus denselben Bechern wie ihre christlichen Mitschüler getrunken oder von ihnen eine Jause angenommen. Das hat sich jetzt geändert. Gleichzeitig werden aber die radikalen Koranschulen im bislang moderaten Punjab deutlich mehr. Eine weitere Kuriosität ist der Umgang mit dem Blasphemiegesetz, das die Beleidigung des Propheten Mohammed sowie die Entehrung des Koran unter Strafe stellt. Das Gesetz dient aber lediglich als Vorwand, um bei Streitigkeiten um Grundbesitz oder bei persönlichen Beleidigungen gegen andere vorgehen zu können. Natürlich sind die religiösen Minderheiten wie die muslimische Sekte der Ahmadis, die Christen und die Hindus die Leidtragenden dieser Verordnung. Aber auch Muslime selbst werden Opfer des Blasphemiegesetzes, so P. Günther: „Es muss weg, es verhindert jegliche Entwicklung.“ Die katholische Kirche, die eine Kampagne zur Abschaffung dieses Gesetzes initiiert hat, findet dabei die Zustimmung der überwältigenden Mehrheit der Muslime des Landes.
Problemfall Afghanistan. Der Krieg in Afghanistan wird von den Pakistanis rundweg abgelehnt: weil die USA als christliches Land muslimisches Territorium besetzt halten und weil es so viele zivile Opfer gibt. So die Begründung der Leute, erklärt P. Günther. Da die öffentliche Meinung zwischen USA und Christen nicht unterscheidet, schürt das Vorurteile gegen die Christen im eigenen Land. Gleichzeitig sind die Taliban, als Kämpfer gegen die USA, in Pakistan längst nicht mehr so beliebt und geachtet, wie man vermuten würde. Sie stören das Bemühen der Pakistanis nach einem wirtschaftlich gesicherten Leben, betont P. Günther. Sein Resümee: „Man darf manche Fortschritte nicht übersehen. Wohin sich das Land aber entwickelt, kann zurzeit niemand sagen.“
Zur Sache
Mann des Gebetes
Die Pfarre von P. Günther Ecklbauer in der pakistanischen Provinz Punjab zählt 350 Familien, etwa 2000 Menschen, die als Bauern und Tagelöhner in neun Dörfern leben. Die Anforderungen an einen Priester sind anders als in Mitteleuropa, erklärt P. Günther: Die Leute kommen mit den Anliegen des Alltags: Wenn es Streit im Dorf gibt, fragen sie, ob ich vermitteln kann. Oder sie suchen mich auf, wenn sie in finanzieller Not sind. Sie kommen auch häufig und bitten um das Gebet, zum Beispiel wenn jemand sich um einen Job als Beamter beworben hat: „Wenn der Priester betet, ist das schon der Anfang der Lösung des Problems.“ Um ganz sicher zu gehen, wenden sich manche Christen noch an den muslimischen „Bir“, der auch zusätzlich Amulette verkauft. Der Priester steht hier in der von Indien beeinflussten spirituellen Tradition der „heiligen Männer“. Viel Zeit und Kraft nimmt im Alltag des Missionars auch der Kampf um den Grund und Boden in Anspruch, den die Christen urbar gemacht haben. Unterstützt von der bischöflichen Kommission „Justitia et Pax“ sind die Dorfbewohner vor Gericht gezogen und sind nach einem Urteil in zweiter Instanz zuversichtlich.