Wie werden Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit wahrgenommen? – Darüber diskutierten auf Einladung der Miteinander GmbH am 29. Juni im Landeskulturzentrum Ursulinenhof in Linz Betroffene und Mitbetroffene.
Einerseits werde die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am öffentlichen Leben wie auch die öffentliche Sensibilität für Menschen mit Behinderung besser. Andererseits gebe es immer noch viel Ausschluss.
Schauen, anschauen, angeschaut werden. Die Schwester eines Neunzehnjährigen mit Glasknochen-Krankheit appellierte an die Menschen, auf ihren Bruder zuzugehen wie auf andere Menschen auch. Er ist ein normaler junger Mensch, der auch sein Leben gestalten will. Der Abstand, den viele halten, macht es ihm aber schwer, Anschluss zu finden. Menschen schauen auf, wenn sie ihn sehen, reden vielleicht über ihn, aber schweigen zu ihm. Der späterblindete Hubert Pachner sieht dieses Angeschaut-Werden auch positiv: „Wenn ich an der Ampel stehe, sagt immer jemand: Jetzt ist grün, jetzt ist rot.“
Möglichkeiten sehen. Der mehrfache Weltmeister und Medaillengewinner in verschiedenen Behinderten-Sportarten, Dr. Christoph Etzlstorfer, meldete sich aus dem Publikum zu Wort. Bei vielen Menschen stehe zunächst die Behinderung im Vordergrund. Je näher sie aber einen Menschen mit Behinderung kennen, desto mehr tritt die Behinderung in den Hintergrund und der Mensch in den Vordergrund. Es gehe aber auch um Bilder, die Menschen mit Behinderung von sich selber haben. Sie sollten ihre Möglichkeiten sehen und weniger ihre Handicaps, meinte Etzlstorfer.
Die Rolle der Medien. Eine entscheidende Rolle für die Vermittlung passender Bilder in den Köpfen spielten die Medien. Darüber waren sich die Diskutierenden am Podium und im Publikum einig. Heidi Vitéz, Sprecherin der Oö. Medienfrauen, appellierte an die Menschen, die im Behindertenbereich engagiert sind: „Versorgt die Medien mit guten Bildern aus der Behindertenarbeit!“ Menschen mit Behinderung riet sie zur aktiven Teilnahme an der Gesellschaft. Begrenzte Teilhabe-Möglichkeit griff ein Mitarbeiter bei Radio FRO auf (das heuer mit dem KirchenZeitungs-Solidaritätspreis ausgezeichnet worden ist). Es sei nicht verständlich, dass der Zugang zu den Medien für Menschen mit Behinderung wie für ihn nur ehrenamtlich möglich ist.
Integration. Die schulische Integration ist fortgeschritten – aber! „Organisatorische Integration“, meinte Klaudia Hanke-Krenmayr, die im Sozialbereich tätig und Mutter einer Integrationsklassenschülerin ist, „heißt noch nicht soziale Integration.“ Ein Befund, den auch der Rollstuhlfahrer und Regionalleiter der Miteinander GmbH Wels, Karlheinz Reichert, teilte: „Die wirkliche Integration hört nach der Schule auf!“