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Ein Kopftuch ist nur ein Kopftuch

Das Kopftuch wird zurzeit in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Eine Fotoausstellung geht seiner Geschichte auf den Grund – mit Charme und Witz und der Überzeugung, dass die Wahl eines Kleidungsstils ein grundlegendes Menschenrecht ist.
Ausgabe: 2017/05
31.01.2017
- Christine Grüll
© C 2014 wolfgang stadler photografie & art paper
Was wäre, wenn ein Kopftuch nur ein Kopftuch wäre? Wenn es eine Form der weiblichen Kopfbedeckung wäre wie eine Goldhaube, ein modischer Hut oder ein Teil einer Arbeitskleidung? Die Antwort auf diese Frage gibt eine Fotoausstellung, die bis 14. März im Rathaus in Traun zu sehen ist. Von den großformatigen Fotos lächeln Frauen verschiedenen Alters. Sie tragen Trachten und schwarze, kunstvoll gebundene Kopftücher, gestrickte Wollmützen, zarte Brautschleier oder um Kopf und Hals geschlungene Tücher. Das Kopftuch, wie es manche Frauen muslimischen Glaubens tragen, ist hier nur eine weitere Form der weiblichen Kopfbedeckung. Sie hat eine lange Geschichte.

Von Helm bis Schleier


Seit dem 4. Jahrhundert stand der Brautschleier symbolisch für die bewahrte Unschuld und sollte die Gefühle der Braut verbergen. Bei Begräbnissen verdeckte der schwarze Schleier die Augen. Der Strohhut, eine der ältesten Kopfbedeckungen in Europa, Afrika und Asien, hält Sonnenstrahlen ab. Ab dem 14. Jahrhundert begannen Frauen, Hüte zu tragen. Aufwändig geschmückt dienten sie dazu, den höheren Rang der Trägerinnen hervorzustreichen. Die Haube schützt vor Kälte, der Helm vor Verletzungen. Das Kopftuch war in Europa bis in die 1970er und -80er Jahre verbreitet und ist Teil vieler Frauentrachten. In osteuropäischen, mittel- und südeuropäischen Ländern tragen es vor allem orthodoxe Gläubige, aber auch die englische Königin Elisabeth II. ist häufig mit Kopftuch zu sehen. Muslimische Frauen tragen Kopftücher aus unterschiedlichen Gründen: aus einem religiösen Selbstverständnis heraus oder als modisches Accessoire, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist, das (männliche) soziale Umfeld es verlangt oder als Symbol einer Gruppenzugehörigkeit.

Mehr Gelassenheit


Die Geschichte und Bedeutung der weiblichen Kopfbedeckung haben Schülerinnen der Modeschule Ebensee vor drei Jahren für die Wanderausstellung recherchiert. Sie wurde in enger Zusammenarbeit u.a. mit Volkshilfe, Goldhauben-, Kopftuch- und Hutgruppe, Islamischer Glaubensgemeinschaft und dem Fotografen Wolfgang Stadler umgesetzt. Ruzica Milicevic hat sie initiiert. Die in Bad Ischl lebende Künstlerin wollte einen Nachdenkprozess in Gang bringen: „Das Thema Kopftuch ist nicht allein auf Migrantinnen zu beschränken. Es betrifft auch gegenwärtige heimische Kulturkreise und christliche Traditionen.“ Zur aktuellen Diskussion hat sie eine klare Meinung: „Ich hoffe, dass es die Besucher der Ausstellung danach gelassener sehen, was Frauen auf dem Kopf tragen.“ «

Ausstellungseröffnung am Mittwoch, 1. Februar 2017, 19 Uhr. Geöffnet bis 15. März 2017,
Montag bis Freitag von 8 bis 12.30 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr.
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