Beide voneinander unabhängigen Teile des „Klassik am Dom“-Abends am Sonntag hätten sich einen besseren und jeweils eigenen Termin verdient.
Ausgabe: 29/2012, Klassik am Dom, Konzert, Hollywood Meets Classic, Filmmusik zum Träumen, Carmina Burana
18.07.2012
- Sigi Hafner
Vier Konzerte binnen rund 75 Stunden, dies war denn doch auch manch eingefleischten Klassik-Fans des Guten zu viel. So blieben Sonntag Abend bei „Hollywood Meets Classic“ etliche Plätze leer. Leider. Denn sowohl „Hollywood“ als auch „Classic“ hätte sich mehr Publikum verdient.
1. Teil, Vienna Brass Connection 16 Blechbläser und 3 Schlagwerker, unterstützt von „coro siamo“ („Wir sind Chor“), zogen das Pubikum mit „Filmmusik zum Träumen“ auf ihre Seite und lieferten den Beweis, dass auch „Schwarz-Weiß-Gut-Böse-Filme“ mit ausgezeichneter Musik unterlegt sind. Vielleicht aber auch nur, wenn sie von hervorragenden Musikern dargebracht wird wie Sonntag Abend. Forderungen nach Zugaben der Zugaben beendeten das erfolgreiche Konzert.
2. Teil, Venezia Festival Opera, „Carmina Burana“ Derart erfrischend war der erste Teil des Abends, dass sogar das Wetter reagierte: Es war bereits merklich kühl – beinahe kalt – am Domplatz, als das „Ensemble Venezia Festival Opera“ (ARTE-Sehern vielleicht aus „Große Werke entdecken“ bekannt) die Bühne betrat und feststellen musste: Wer zu spät singt, den bestraft das Publikum, auch wenn für die Terminplanung andere verantwortlich sind. Es erscheint nicht unbedingt weise, sonntags nach 22 Uhr „Carmina Burana“ zur Aufführung zu bringen.
Das teilweise frierende Publikum reagierte mit kurzem Applaus, der beinahe unhöflich wirkte. Aber wer könnte dies verübeln? Es war Sonntag Abend nach 23 Uhr, den meisten war kalt, und viele rechneten schon lange nach, wie wenig Stunden Schlaf sie bis Montag Morgen noch bekämen.
Aber trotzdem: es war ein farbenprächtiges und – trotz Lautstärkereduzierung durch die Tontechnik – stimmgewaltiges Spektakel. Seit der „Linzer Klangwolke“ 1991 hat der Schreiber dieser Zeilen keine eindrucksvollere „Carmina Burana“ erlebt.
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