24.12.2017

Gesellschaft, Kirche

Mit Gott auf dem Weg

Weihnachtswort von Bischof Manfred Scheuer an die Leser/innen der KirchenZeitung.

Bischof Manfred Scheuer.

Wie geht’s? Das Gehen wird oft zum Bild der inneren Befindlichkeit und auch zum Symbol unserer Beziehungen: Menschen gehen aneinander vorbei oder wieder aufeinander zu. Das Leben ist nicht die Gerade einer Autobahn. Es gehören Sackgassen oder auch Labyrinthe dazu.

Der Gedanke vom Weg gehört außerdem zum ethischen und religiösen Alphabet der Menschen. Von der biblischen Botschaft her sind diese Wege auch Gottes-Wege, der mit dem einzelnen Menschen und mit dem Volk Gottes mitgeht. Der Gott der Bibel ist ein „Weg- oder Wandergott“. Das Johannesevangelium spricht in einem absoluten Sinn von Jesus als dem Weg: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,6).

In den Adventwochen kann die Symbolik des Weges auf Weihnachten hin gedeutet werden. Wenn wir uns auf das weihnachtliche Geschehen einlassen, dann müssen wir aufbrechen. Der Weg kann dabei in verschiedene Richtungen führen: zu mir selbst, zu den Menschen und schließlich zur Krippe, zur Begegnung mit Gott selbst. Die achtsame Beschreitung dieser Wege hat das Ziel, sich ganz auf Gott einlassen zu können. Das gilt für jeden Einzelnen von uns, es gilt aber auch für die ganze Gemeinschaft der Kirche. Denn er kommt kleiner und unscheinbarer in die Welt, als wir uns das ausdenken. Um ihn wahrzunehmen, braucht es die Bereitschaft, Gott in unserem Leben Raum zu geben. Es braucht ein Hinhören und Hinsehen, ein Wahrnehmen der leisen und zarten Töne und das tiefe Vertrauen, dass mit Gott immer zu rechnen ist.

In genau diesem Vertrauen werden wir als katholische Kirche in Oberösterreich ­einen „Zukunftsweg“ beschreiten, den wir im November bei einer Versammlung der wichtigsten diözesanen Gremien unter das Motto „Kirche weit denken“ gestellt haben. Die Kirche hierzulande ist Teil und Gegenüber einer oberösterreichischen Gesellschaft, die uns einer­seits vertraut ist, sich andererseits rasant verändert. Wie können wir ­unser Grundverständnis ausbuchstabieren, wie werden wir dem Auftrag und der Botschaft Jesu in der heutigen Zeit gerecht?

Es trägt uns dabei die Einsicht, dass Gott uns in der heutigen Wirklichkeit entgegenkommt. Notwendig und notwendend sind Haltungen der Aufmerksamkeit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Ehrfurcht gegenüber dem konkreten Leben. Dieser Zukunftsweg wird ein gemeinsamer Lernweg sein, bei dem ­keine fertigen Antworten vorgegeben, bei dem aber auch bisherige Denkwege hinterfragt werden, bei dem die vielen unterschiedlichen Strömungen, die es in der Diözese gibt, miteinander ins Gespräch kommen. Gelingt es uns, verbindliche Grundlagen für eine diözesane Ausrichtung zu formulieren und auch einzuhalten, dann wird eine gute Basis für einen Weg in die Zukunft gelegt. Wir werden daran gemessen, wie konkret und verbindlich wir auf Fragen und Nöte der Menschen und der Zeit eingehen können.

Ich bitte Sie um Ihr Gebet für diesen Zukunftsweg und lade Sie ein, mit uns Kirche weit zu denken. Ich bin davon überzeugt, dass wir alles unter den Segen Gottes stellen dürfen. Jenes Gottes, der sich in seinem Sohn Jesus Christus unter uns Menschen gemischt und uns durch ihn neue Wege für ein gutes Leben aufgezeigt hat. 

Manfred Scheuer, Bischof von Linz

Gesegnete Weihnachten

Mit dieser Ausgabe endet der 72. Jahrgang der KirchenZeitung. Gerne schließen wir uns den Wünschen unseres Bischofs an und wünschen unseren Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr 2018.

Redaktion, Verlag und Herausgeber Ihrer KirchenZeitung

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Jänner 2018

Bildquelle: Diözese/Wakolbinger

Autor/in:  Bischof Manfred Scheuer

Keywords: 2017/51

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