11.07.2017

Glaube

Messe? Eucharistie? Gedanken zur zentralen Feier der Kirche

„Kirchgang ist gleich Messbesuch“: So gleichbedeutend ist das heute nicht mehr – und war es auch nie. Die katholische Kirche kennt verschiedene Gottesdienstformen. Die wichtigste ist die heilige Messe. Aus der Serie "Vielfalt des Gottesdienstes", Teil 1 von 4.

In der Eucharistiefeier erfüllt die Kirche einen Auftrag Christi. Sie ist Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens, wie das Zweite Vatikanische Konzil formulierte.

Dr. Liborius Olaf Lumma ist Privatdozent für Liturgiewissenschaft und Sakramenttheologie an der Universität Innsbruck.

Die Eucharistiefeier ist das zentrale kirchliche Geschehen: In ihr hört die Gemeinde das biblische Wort. In ihr dankt sie für das, was sie von Gott erhalten hat: die Schöpfung, Nahrung, Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens, die Lebensweisung Gottes für sein Volk Israel, die Propheten, die Geburt Jesu Christi, seine Botschaft, seinen Tod, seine Auferstehung. Und die Kirche bittet um Wandlung: von Brot und Wein und von uns allen und der ganzen Welt, damit am Ende das Leben über die Macht des Todes siegt. In dieser Feier nehmen wir Christus leibhaftig in uns auf. Wir werden mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand von ihm geprägt.

Von Jesus gestiftet

Mit den Worten „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ hat Jesus selbst diese Feier gestiftet, das gibt ihr besondere Würde. Gedächtnis heißt dabei in jüdischer Tradition: Das, dessen ich gedenke, wird zu meiner eigenen Gegenwart. Was damals geschehen ist, das geschieht jetzt an uns. Im Gedenken an Jesus Christus wird die Kirche aufgenommen in die Geschichte Jesu. Sie wird Teil seiner Gemeinschaft mit dem Vater, und das bringt Leben, Nahrung, Freude.

Warum „Messe“?

Erstaunlicherweise gibt es für diese Feier keinen einheitlichen Namen: Das Neue Testament sagt „Brotbrechen“ oder „Herrenmahl“, evangelische Christen sprechen vom „Abendmahl“, Orthodoxe sagen „(Göttliche) Liturgie“. In der katholischen Kirche sind die Wörter „Messe“ und „Eucharistiefeier“ am verbreitetsten, aber was bedeuten sie?
Messe (heilige Messe, Messfeier) kommt von lateinisch „missa“, einer Abwandlung von missio (Auftrag, Aussendung). Dieses Wort wurde im Mittelalter zum Fachbegriff für die Eucharistiefeier insgesamt. Das Wort an sich hat etwas mit Segen und Auftrag zu tun, aber man kann es nicht ganz eindeutig ins Deutsche übertragen. Deswegen ist es unübersetzt geblieben: Aus „missa“ wurde „Messe“.

Warum „Eucharistie“?

Das Wort „Eucharistie“ (Eucharistiefeier) hat ein klareres inhaltliches Profil: Auf Griechisch heißt „eucharistia“ Danksagung. So nannte man im Judentum Lob-, Dank- und Segensgebete, wie sie auch Jesus praktizierte. Wenn es im Neuen Testament heißt, Jesus habe beim Abendmahl über Brot und Wein „das Dankgebet gesprochen“, dann steht da im griechischen Text „eucharistia“. Eucharistia ist in diesem Fall also ein Segensgebet über Speise und Trank – wir nennen es heute Hochgebet.
Das Wort Eucharistie als Begriff für die gesamte Feier soll demnach ausdrücken: Wir folgen dem Auftrag Jesu, wir tun das, was er beim Abendmahl getan hat, wir loben und danken Gott und rufen seinen Segen herab. Unsere Eucharistiefeier ist unser Dank an Gott, unser Lob Gottes und unsere Bitte um seinen Segen, der alles verwandelt.
„Messe“ ist in der deutschen Sprache der verbreitetere Begriff. Das Wort Eucharistiefeier ist noch dazu zweideutig, denn manchmal benutzt man es nur für den zweiten Teil der Messe (beginnend mit der Gabenbereitung). Dennoch ziehen viele das Wort Eucharistiefeier vor, denn es verbindet uns besser mit der Sprache des Neuen Testaments und mit dem Judentum, dessen Abkömmling wir sind. Und es drückt die Haltung der Dankbarkeit besonders gut aus. «

 

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Bildquelle: KNA

Autor/in:  Dr. Liborius Olaf Lumma

Keywords: 2017/28

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