11.10.2017

Kultur

„Das ist ein Wunder!“ – Die Rückkehr der gestohlenen Hallstatt-Tafeln

Vom Wohnzimmer eines Sammlers in Italien zurück nach Oberösterreich: Die gotischen Tafeln aus der Pfarrkirche in Hallstatt haben eine lange Reise hinter sich.

Christophorus und der Gute Hirte sind zwei der acht Bildmotive auf den gotischen Tafeln.

Die Übergabe der Tafeln erfolgte am 5. Oktober in Linz. Im Kunstdepot wurden die Bilder ausgepackt, begutachtet und die Schäden dokumentiert.

Lange Zeit erfreute sich ein privater Sammler in Italien an ihrer Schönheit: Zwei der gotischen Tafeln hingen in seinem Wohnzimmer, auch bei einer Ausstellung konnten die Tafeln aus Hallstatt bewundert werden. Als der Sammler starb, konnten seine Erben nichts mit dem wertvollen Kunstgut anfangen. Die Ware kam auf den Kunstmarkt, aufmerksame Carabinieri entdeckten sie dort und stellten sie sicher, die Meldung ging im Frühjahr durch die Medien. Am vergangenen Donnerstag, 5. Oktober brachte Restaurator Robert Smoley im Auftrag der Diözese Linz die Tafeln von Kärnten nach Oberösterreich. Denn gleichzeitig mit den gotischen Tafeln sind von den Carabinieri auch gestohlene Werke aus Kärnten gefunden und zurückgebracht worden. Eva Voglhuber vom Diözesankonservatorat nahm sie in Linz in Empfang.

Gut erhalten

Nach dem vorsichtigen Transport ins Kunstdepot der Diözese Linz gingen Smoley und Voglhuber daran, die kostbaren Bildtafeln auszupacken. Beim Betrachten der Tafeln wird nochmals deutlich, welcher Kunstschatz hier zurückgekehrt ist: „Dass die Tafeln jetzt wieder hier sind, das ist ein Wunder!“, sind sich die beiden Kunstexperten einig. Es dürfte der Geschicklichkeit der Diebe und der Liebe des italienischen Sammlers zu verdanken sein, dass die um 1450 geschaffenen Tafeln relativ gut erhalten sind und nur kleinere Schäden aufweisen.  Sie waren 1987 bei einem nächtlichen Einbruch aus der Pfarrkirche gestohlen worden und 30 Jahre verschollen.

Freude über Rückkehr

Die gotischen Tafeln werden nun vorübergehend im Kunstdepot der Diözese Linz gelagert. Die Bilder müssen vor ihrer weiteren Verwendung restauriert werden, erst dann ist an eine Rückführung in die Pfarrkirche Hallstatt, ihre ursprüngliche Heimat, zu denken. PGR-Obmann Reinhard Kerschbaumer freut sich über die Rückkehr: „Die Tafeln haben für uns einen unschätzbaren Wert, noch dazu, wo die Geschichte des Altars so bewegt ist.“
Am Dienstag, 10. Oktober konnten die Tafeln erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Über die weitere Vorgehensweise wird nach Vorliegen aller Daten – wie etwa den Restaurierungskosten und dem zukünftigen Sicherheitskonzept – gemeinsam entschieden.

 

Hallstatt-Tafeln

Vier gestohlene Tafelbilder aus dem gotischen Altar der Pfarrkirche sind zurückgekehrt. Sie sind beidseitig bemalt, Öl auf Holz, und stammen aus der Zeit um 1450. Carabinieri entdeckten die Bilder am Kunstmarkt, im November 2016 wurden sie von Diözesankonservator Hubert Nitsch identifiziert. Die Diözese Linz verfügt über ein vollständiges Kunstgut­inventar, in dem über 130.000 Kunstobjekte mit Foto und Datenblatt erfasst sind.

Bildquelle: KiZ/Elle (6)

Autor/in:  Elisabeth Leitner

Keywords: 2017/41

Seite empfehlen

Meistgelesen

Die 5 meistgelesenen Artikel der letzten 7 Tage:

In memoriam Prof. Günter Rombold
Der Priester und international bekannte Kunstexperte em. Prof. Günter Romb ...

Weihnachten als Belastungsprobe
Scheidung, Trauer, Einsamkeit. Zu Weihnachten will bei manchen Menschen nu ...

Mit dem Handy Weihnachts-Gottesdienste finden
Mit einer neuen App auf dem Handy können Weihnachtsgottesdienste gesucht u ...

Das Abendland steht noch
Nach der Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs, die staatliche Ehe auch ...

„Kein gesellschaftlicher Konsens mehr über die Ehe“
Zum Teil sehr heftig haben Vertreter der römisch-katholischen Kirche die Ö ...