BRIEF_KASTEN
Nüchtern betrachtet: ein Verlierer. Nicht weniger als sein Leben hat er verloren. Der erste Blutzeuge des Christentums sei er gewesen, sagt man. Gewollt hat er das sicher nicht. Als er seine aufwühlende Rede hielt, hat er gewiss noch geglaubt, er könne seine Widersacher zum Umdenken bewegen. So begeistert sprach er. Aber sie haben ihn nicht verstanden, ihn stattdessen vor Wut mit Steinen erschlagen. Sie meinten, damit sein Gerede aus der Welt geschafft zu haben. Als es wirklich ernst geworden war und er wohl selbst nicht mehr glaubte, die Sache werde gut ausgehen, kam kein Fluch, auch kein Verzweiflungsschrei über seine Lippen. Im Gegenteil. „Ich sehe den Himmel offen“, ruft er. Verzweiflung fühlt sich anders an. So zu sterben – das ist nicht ein Verlieren des Lebens, sondern ein Gewinnen. Stefan steht dafür: Der Glaube an Christus betrifft nicht das kleine Glück, wie man es nach einem Gelingen oder Siegen erlebt. Seine Folterer werden sich eine Weile in solcher Art kleinen Glücks gewähnt haben. Am nahesten kommt diesem stefanschen Himmelsglück vielleicht, wenn Menschen in echter Liebe einander zugetan sind. Aber wer schafft das ganz? Weihnachten – der Himmel öffnet sich: im Geborenwerden bis in denTod.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>