BRIEF_KASTEN
Wenn der Verschönerungsverein Bänke sponsert, damit man am Wegesrand kurz Pause machen und die Aussicht genießen kann, bin ich dankbar, auch wenn mich der Begriff „Verschönerungsverein“ immer wieder irritiert.
Wird etwas gleich gut gemacht, muss man es nicht nachträglich verschönern. Und was hat das mit Schönheit zu tun? Sollte nicht die Gemeinde öffentliche Wege und Plätze grundsätzlich so gestalten, dass sie für alle gut nutzbar und trotzdem ästhetisch ansprechend sind?
Kürzlich wurde ich bei einer Vernissage auf das Wort „verschönern“ gestoßen: Die Musiker:innen mussten zunächst lange auf ihren Einsatz warten, dann wurden sie mit den Worten „Sie werden uns jetzt den Abend verschönern“ vorgestellt. Nett gemeint, aber autsch, das tat weh. Wenn Musik bloß zur Untermalung oder als Geräuschkulisse zwischen zwei Wortblöcken herhalten muss, dann schmerzt das und trifft auch nicht den Kern der Sache. Denn die Musiker:innen hatten ein Programm im Gepäck, dass die Botschaft des Abends verstärken und hörbar machen wollte, was auch gelang. Das erinnert mich auch an manche liturgischen Feiern: Die Aufforderung, irgendwas zum Kyrie oder als Zwischengesang zu spielen, geht am Wesen der Musik vorbei. Musik ist Liturgie. Man sollte sie gemeinsam denken und planen. Dann ist sie nicht nur Überbrückung oder Verschönerung, sondern Teil der Feier. Wie schön!
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