BRIEF_KASTEN
„Ich glücke“. Das funktioniert nicht. Zu wirklichem Glück braucht es zumindest ein „Es“, das nicht in der eigenen Hand liegt. Es glückt mir. Wenn dieses unbestimmte „Es“ einen Namen bekommt: ein Du, ein Er, ein Sie – dann wird Glück zum Glücklichsein. Auf sich allein gestellt könnte man es höchstens zu einer gewissen Zufriedenheit oder Genugtuung schaffen – nicht zum Glücklichsein.
Fragt man Menschen, wann sie sich in ihrem Leben am glücklichsten fühlten, wird man kaum zu hören bekommen: Als ich mein erste Auto bekam, oder: als ich meinen ersten Lohn erhielt. Eher werden es Geschehnisse mit anderen Menschen sein: Die erste Liebe. Als wir geheiratet haben. Als unsere Tochter auf die Welt kam. Und auch die größten Traurigkeiten und Enttäuschungen werden mit Menschen in Zusammenhang stehen, kaum mit Dingen. Es sind Beziehungsangelegenheiten, die Menschen glücklich oder unglücklich sein lassen.
Im tollsten Auto kann man unglücklich unterwegs sein, wenn man mit jemandem im Streit liegt. In einer schäbigen Karre kann man dennoch sehr glücklich sein, wenn man von einer wunderbaren Begegnung kommt. Glücklich die Menschen, denen es gelingt, ihre Mühen weniger auf die Rand-Umstände des Glücks zu verwenden, sondern auf den Grund selbst: Menschen, mit denen sie glücklich sind.
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