BRIEF_KASTEN
Andere, wenn sie sich zum „Wenigstens kosten!“ überreden lassen, picken sie heraus. Stück für Stück. Vielleicht ist jemand bei Tisch, der sie haben möchte. Es ist die Konsistenz auf der Zunge, sagen sie, die sie nicht leiden können. Bei der getrockneten Traube unterscheiden sich die Geschmäcker. Dabei hat sie, gemessen an der ganzen Speise, nur einen geringen Anteil. Für die einen macht er den Geschmack aus, anderen verleidet er ihn.
Es sind Kleinigkeiten. Es sind die „Rosinen“ im Leben, die gewissen Eigenarten, welche die zwischenmenschlichen Angelegenheiten oft zur schwierigen Geschichte machen.
Schwierig wird es, wenn man die Kleinigkeit zur großen Sache erklärt: der Musikgeschmack, der Haarschnitt, das Tatoo auf der Haut, ob jemand sich bio oder konventionell ernährt. Die Farbe der politischen Zugehörigkeit ist auch so ein Punkt, und – heutzutage besonders – woher jemand kommt und welcher Religion er sich zugehörig weiß. Das sind die Rosinen. Ein Anteil im Menschlichen. Für die einen schmackhaft, für andere Ausschließungsgrund.
Wenn wenigstens das gelänge: dass das, was man an einem Menschen nicht mag, diesen nicht auch schon zu einem schlechten Menschen macht, dass er ja doch ein guter Mensch sein kann. Eigentlich liebenswert.
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