BRIEF_KASTEN
Doch es ist ganz und gar nicht dasselbe, ob diese Elementemischung als Regen oder als Schnee auf die Erde trifft. Mit dem Wasser ist es wie mit dem Reden. Dasselbe Wort, derselbe Satz – und dennoch kommt die Botschaft ganz unterschiedlich an. Es ist die Umgebungstemperatur, in der sich das Wasser ausbildet. Ob sich gut gehen lässt auf dem nassen Boden, ob man sogar Flockenspaß haben kann, oder ob ein Weg zur gefährlichen Rutschpartie wird. Dasselbe Wort: einmal kommt es als Trost an, dann nur als Vertröstung; einmal als Entschuldigung, dann nur als billige Ausrede. Wassertropfen oder Flocke – das entscheidet sich nicht schon in der Wolke. Erst auf dem Boden wird klar, wie es ankommt. Und beim Reden? Was ein Wort bedeutet und bewirkt, hängt davon ab, in welcher menschlichen Umgebungstemperatur es gesprochen wird: ob in einer Atmosphäre des Vertrauens oder in der Kälte des Misstrauens. Am unangenehmsten sind die matschigen Verhältnisse – Gerede, das nie Pause macht. Ein Tröpfeln der Worte auf einen längst gesättigten Boden. Auch Schweigen gehört zum Reden – so wichtig wie die Regenpause.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>