BRIEF_KASTEN
Dass 52 % der Briten 2016 für den EU-Austritt stimmten, überraschte trotzdem viele in Mitteleuropa. Seither ist der Brexit neben Corona und Klimawandel ein fixer Bestandteil der Nachrichtensendungen. Ende Jänner 2020 wurde der Austritt zwar formell vollzogen, es dauerte aber bis zum Ende der Übergangsfristen zu Silvester 2020, mit Ach und Krach noch ein Handelsabkommen abzuschließen. Bei einer Scheidung verlieren meist beide, so auch hier. Der größere Verlierer ist Großbritannien, das sehen die Analysen so, außer die mancher britischer Politiker. Hoffentlich schreckt das andere Exit-Träumer ab. Ein Eigentor schossen sich britische Politiker jedenfalls: An den jüngst 53.000 Corona-Neuinfektionen eines einzigen Tages und an vielen anderen Problemen kann nun nicht mehr „die EU“ schuld sein. Das ist ja für viele europäische Regierende eine bequeme Taktik. Selbst wenn die Briten spinnen, trägt an einer Scheidung selten nur eine Seite die Verantwortung. Auch die EU sollte dringend schauen, was sie daraus lernen kann. Wenn sie achselzuckend weitergeht als wäre nichts gewesen, dann wächst die Exit-Lust bald wieder, sobald der Brexit ein wenig vergessen ist.
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